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Christchurch-Attentat: Lichtblick inmitten der Tragödie

Nach den Attentaten auf Moscheebesucher in Christchurch hat sich die neuseeländische Premierministerin Jacinda Ardern inmitten der Trauer und Verzweiflung als Hoffnungsträgerin ihres Landes erwiesen. Die junge Regierungschefin fand die richtigen Worte, zeigte Mitgefühl und bewahrte Ruhe.

Ein Bild sagt mehr als tausend Worte, heißt es. Im Falle der neuseeländischen Premierministerin Jacinda Ardern scheint dieses Sprichwort zu stimmen: Ein Foto, das sie mit einem schwarzen Kopftuch bekleidet am Tag nach dem Terroranschlag auf zwei neuseeländische Moscheen in Christchurch zeigt, geht derzeit um die Welt. Es symbolisiert, wie die 38-jährige Politikerin mit der schwersten Krise ihrer bisherigen Amtszeit würdevoll, ruhig und mit viel Fürsorge umgeht. Sie spendet Trost und handelt zur gleichen Zeit.

Ein rechtsextremer Terrorist hatte am Freitag in zwei Moscheen in Christchurch mindestens 50 Menschen ermordet. Dutzende sind nach wie vor im Krankenhaus, darunter ein vierjähriges Mädchen, dessen Zustand kritisch ist.

Kopftuch sendete wichtiges Signal

Die jüngste Regierungschefin des Landes wandte sich nach dem Attentat rasch an die 4,8 Millionen Neuseeländer, die nichts Vergleichbares je in ihrem Land erlebt hatten. Einen Tag später reiste Ardern mit Politikern aller Parteien nach Christchurch, um Angehörige der Opfer und Mitglieder der muslimischen Gemeinde zu treffen.

„Als die Premierministerin zu uns kam und dabei ein Kopftuch trug, das war eine große Sache für uns“, sagte Dalia Mohamed der australischen Agentur AAP. Mohamed hat den Schwiegervater ihrer Tochter bei dem Massaker verloren und arbeitet als freiwillige Helferin in der Al-Noor-Moschee, in der über 40 Menschen ums Leben kamen.

Verschärfung der Waffengesetze angestoßen

Gleichzeitig machte die Premierministerin die Verschärfung der Waffengesetze zur Priorität. Bereits am Montag nach dem Attentat diskutierte das Kabinett Änderungen. Schnellfeuerwaffen könnten in Neuseeland künftig verboten werden.

„Frau Arderns Leistung war außergewöhnlich – und ich glaube, dass sie sowohl national als auch international dafür hoch gelobt werden wird“, sagte der politische Kommentator Bryce Edwards von der Victoria Universität in Wellington.

Ardern hat seit ihrem überraschenden Aufstieg an die Spitze der neuseeländischen Politik schon häufig internationale Schlagzeilen gemacht. Bereits nach wenigen Stunden als Parteichefin der Labour-Partei musste sie für die Gleichberechtigung der Frau einstehen. Medien bezeichneten sie als Neuseelands Justin Trudeau und später als die „globale Heldin“, die die linke Politik weltweit gerade brauche.

Folgt eine zweite Welle der „Jacindamania“?

Ihre offene, freundliche Art löste schon früh eine „Jacindamania“ im Land aus, wie Medien die Begeisterung für den jungen Politikstar nannten. Jacinda Ardern macht sich für die Maori, die neuseeländischen Ureinwohner, stark und hält eine Regierungskoalition aus Rechtspopulisten, Grünen und ihrer eigenen sozialdemokratischen Partei zusammen.

Als zweite Regierungschefin der Welt bekam sie während ihrer Amtszeit ein Baby und ging dafür sechs Wochen in Mutterschutz. Sie trat in US-Talkshows auf und brachte ihre Tochter Neve Aroha im September mit zur UNO-Vollversammlung. Das brachte ihr weltweit Fans ein, rief aber auch Kritiker auf den Plan. Diese warfen ihr vor, solche Auftritte für ihren eigenen politischen Gewinn auszunutzen. Nicht alle begrüßten es auch, als ihre Regierungskoalition den Verkauf von Immobilien an Ausländer verbot und den Mindestverdienst anhob.

Doch in der schwersten Krise ihres kleinen Landes ist die Neuseeländerin über sich hinausgewachsen und hat die volle Unterstützung ihres Volkes. Sie habe einen „herausragenden Job“ gemacht, schrieb der prominente neuseeländische Journalist Eric Young beispielsweise auf Twitter. „Ich wünschte aus ganzem Herzen, dass sie es nicht hätte machen müssen, aber ich bin stolz, dass sie es gemacht hat.“

(Barbara Barkhausen)

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