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Walstrandungen in Neuseeland: rätselhaft und tragisch

Am 10. Februar 2017 passierte es – wieder einmal. Eine Gruppe von 416 Grindwalen (auf Englisch „pilot whales“) schwamm zu nahe an die flache Küste des Farewell Spit im äußersten Nordwesten der Südinsel heran und strandete, als sich die Flut zurückzog. Bis die ersten Helfer vom DOC und dem Verein Project Jonah den abgelegenen Strand erreichten, waren schon etwa 300 Tiere verendet.

Die schmale Nehrung, die sich über 26 Kilometer ins Meer erstreckt, hat als „Falle“ für unglückliche Wale schon einen zweifelhaften Ruhm in Neuseeland. Hier stranden des Öfteren Gruppen von Walen, zuletzt 2015, als etwa 200 Tiere hier strandeten.

Auch an anderen Stränden Neuseelands laufen häufig Wale auf Grund. In den letzten 30 Jahren waren es etwa 6000; es sind immer Zahnwale und sehr oft Grindwale. Das bisher schlimmste Massensterben wurde 1918 vermeldet, als auf den Chatham Islands mehr als 1000 Grindwale strandeten. Aber bereits Aristoteles berichtet über solche Ereignisse, die häufig vorkämen.

Egal ob früher oder heute: Die Einheimischen und überhaupt jeder, der gerade vor Ort ist, versuchen meist mit enormem Engagement, den gestrandeten Walen zu helfen. Denn auch wenn Wale Säugetiere und Lungenatmer sind, verenden sie an Land kläglich, weil sie bei einbrechender Flut auf der Seite liegen und dadurch ertrinken.

Die Helfer bedecken die Tiere mit feuchten Tüchern, um ihre empfindliche Haut vor dem Austrocknen und vor Sonnenbrand zu schützen, sie stabilisieren sie, um ihre Atemlöcher freizuhalten, und reden ihnen beruhigend zu, um sie nicht noch weiterem Stress auszusetzen. Vor allem aber versuchen sie natürlich, die Tiere, sobald die Flut kommt und der Wasserspiegel steigt, wieder ins offene Meer hinauszulotsen.

Leider funktioniert das nicht immer; allzu oft wenden die geretteten Tiere alsbald und schwimmen erneut auf den Strand zu, scheinbar mit einem deutlichen Todeswunsch.

So auch diesmal: Als die rettende Flut kam und am Freitag immerhin etwa einhundert Grindwale wieder „flottgemacht“ werden konnten, strandeten dieselben Tiere nur Stunden später erneut. Noch entmutigender: Mit ihnen zusammen fand man am nächsten Morgen hunderte neue Wale am Strand, die offenbar zu mehreren anderen Gruppen gehörten.

Die Verzweiflung der erschöpften Helfer, die den Walen nicht helfen können, ist nachvollziehbar. Verständlich , dass viele nach einem Schuldigen suchen. Sind es wie so oft wir Menschen, die mit unseren Öltankern, den Bohrungen im Meeresboden oder der Umweltverschmutzung den Tod der Wale verursachen? Sind es geomagnetische Störungen, Parasiten oder gar ein innerer Antrieb zum Selbstmord?

So faszinierend wir Menschen Wale finden, so wenig wissen wir über sie. Das gilt besonders für den Grindwal, über dessen Leben fast nichts bekannt ist. Fakt ist: Der Grindwal gehört zu den Zahnwalen, lebt in lockeren Gruppen, die teilweise weit durch die Weltmeere ziehen, und orientiert sich vornehmlich über Schallwellen. Er kann selbst in kompletter Finsternis Hindernisse und Jagdbeute orten und mit anderen Walen kommunizieren.

Genau hier vermuten Wissenschaftler den Hauptgrund der tragischen Strandungen: Geraten ortsunkundige Gruppen von Grindwalen in Küstennähe an Strände, die sehr flach ins Wasser abfallen, bemerken sie dies erst, wenn die Ebbe ihnen die Rückkehr ins offene Meer abschneidet. Wie Farewell Spit weisen die neuseeländischen Strände, an denen oft Grindwale stranden, weit ins Meer ragende Landzungen auf, die es extra schwierig machen, vom Strand zurück ins freie Meer zu gelangen.

Trotz ihres Namens („pilot whale“) haben Grindwal-Gruppen keinen Anführer, der sie in den Tod führt und dem sie blind folgen würden. Was allerdings stimmen dürfte: Der starke soziale Zusammenhalt der Gruppen bringt einzelne gerettete Tiere dazu, zu ihren gestrandeten Artgenossen zurückzukehren – und dabei erneut zu stranden.

Für die Menschen ist es herzzerreißend, den Tieren nicht helfen zu können. Am Wochenende des 11. Februar 2017 säumten hunderte tote Wale den Strand am Farewell Spit, während die noch lebenden klagende Töne von sich gaben und hilflos mit ihren Flossen schlugen. Und selbst wenn ein Teil von ihnen gerettet wurde: Sie werden wiederkommen, und sie werden wieder sterben. Schuld mag schlicht die Beschaffenheit der Küste sein, aber unbestritten trägt der Mensch, der den Lebensraum der Wale verschmutzt, ausbeutet und zerstört, seinen Teil an der Schuld.

(Jenny Menzel)

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