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Neuerscheinung: Nordinsel abseits der ausgetretenen Pfade

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Franz Josef – eine Stadt vor der Entscheidung

Das 300-Einwohner-Städtchen Franz Josef an der Westcoast der Südinsel zieht jedes Jahr etwa 500.000 Besucher an, die den gleichnamigen Gletscher besichtigen wollen.

Bis vor einigen Jahren fuhr der Großteil der Touristen einfach durch und schaute sich den nahegelegenen Fox Glacier an. In den letzten Jahren ist es den engagierten Einwohnern von Franz Josef jedoch gelungen, das umzukehren – die Einnahmen im Tourismussektor boomen.

Alles könnte so schön sein, wenn nicht Franz Josef ein geologisches Problem hätte, das quasi eingebaut ist: Der Ort liegt direkt auf einer seismischen Verwerfungslinie.

 

Die 600 km lange „Alpine Fault Line“ ist in den vergangenen 1100 Jahren fünfmal aufgerissen, was jedes Mal zu einem Erdbeben mit der Stärke 7 bis 8 auf der Richter-Skala führte.

Das letzte Erdbeben wurde im Jahr 1717 verzeichnet. Experten prognostizieren eine Abfolge aller 300 Jahre, das nächste Erdbeben steht also statistisch gesehen direkt bevor. Ein Report des GNS Instituts spricht von einer mittleren bis hohen Wahrscheinlichkeit für ein starkes Beben in den nächsten 50 bis 100 Jahren.

Ein weiteres Risiko für die Ortschaft stellt der Waiho River dar, dessen Pegel etwa alle zehn Jahre um zwei Meter ansteigt. Der stetige Rückzug des Gletschers wird den Wasserstand des Flusses weiter anschwellen lassen, was unweigerlich zu weiteren Überschwemmungen führen wird. Bereits im Jahr 1982 verlor Franz Josef nach starken Regenfällen bei einer Flut des Waiho River seine Zubringerstraßen, die Brücke und den Flughafen.

Die einzige Möglichkeit, Franz Josef zuverlässig vor der Zerstörung zu retten, scheint vielen Einwohnern undenkbar: Das ganze Dorf müsste etwa zehn Kilometer nach Norden versetzt werden, an das Ufer des Lake Mapourika. Dort wäre es außerhalb des Überflutungsgebiets des Waiho River, würde nicht mehr auf der „Alpine Fault Line“ liegen und wäre auch nicht mehr von Erdrutschen bedroht.

Alternative Vorschläge, um den Ort vor dem Waiho River zu schützen, gibt es ebenfalls: Man könnte dem Fluss erlauben, wieder in seinem breiten, natürlichen Bett auszufächern, wie dies viele neuseeländische Flüsse tun (die charakteristischen „braided rivers“). Oder man könnte für viel Geld neue Staustufen in den Flusslauf einbauen und das Flussbett regelmäßig ausbaggern, in dem sich Geröll aus dem Gletscherabfluss anlagert.

Ebenfalls denkbar: einfach nichts tun und abwarten, was passiert. Mit den Folgen von Naturkatastrophen umzugehen, das ist man in Neuseeland und besonders an der Westcoast gewohnt.

Auch ein Umzug der Stadt würde teuer werden, das ist sicher: Schätzungen ergaben Kosten von 600 Millionen bis zu einer Milliarde Neuseeland-Dollar. Und noch weiß niemand, wie man den logistischen Aufwand meistern könnte. Die Steuerzahler, die in den letzten Jahren bereits mit zweistelligen Steuererhöhungen für den Ausbau der Infrastruktur belastet wurden, um den steigenden Besucherzahlen Herr zu werden, wird das nicht freuen.

Wahrscheinlich wird die Stadt Schritt für Schritt umziehen – erst die wichtigsten Institutionen wie Polizei, Tankstelle, Feuerwehr usw. Aber Tourismus-Zentren wie Hotels, Restaurants und die Büros der Reiseveranstalter, die sich am Highway entlang angesiedelt haben, werden sicher lange zögern. Kein Wunder: Reisende werden weiterhin zum Gletscher kommen, egal wo genau der Ort Franz Josef liegt.

(Jenny Menzel)

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