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Tausende junge Reisende in Neuseeland ausgebeutet

Robinwood Farms, eine Öko-Farm in Christchurch, hat tausende junger Reisender ausgebeutet, die sich dort für Freiwilligenarbeit gemeldet hatten. Nun stehen der Besitzerin, Julia Osselton, hohe Strafen in Aussicht.

Die neuseeländische Arbeitsaufsicht ERA hat bisher noch kein Urteil verhängt. Angekündigt sind aber bis zu 20.000 NZD für jeden betrogenen Angestellten.

Es gilt als bewiesen, dass die sogenannten „Voluntäre“ auf der kleinen Bio-Farm bis zu 40 Stunden pro Woche arbeiten mussten. Oft wurden sie an andere Firmen von Besitzerin Osselton ausgeliehen, um dort Gartenarbeiten zu erledigen oder Feuerholz zu schlagen. Im Gegenzug erhielten sie Essen und Unterkunft und bekamen 120 NZD pro Woche, unabhängig davon, wie viele Stunden sie gearbeitet hatten.

Die Lebensbedingungen für die freiwilligen Arbeiter auf der Farm werden als „unmenschlich“ beschrieben. Zeugen berichteten der ERA, dass sie in einem kleinen Lagerraum unter der Treppe schlafen mussten, der unzureichend belüftet und nicht beheizbar war. Zu essen gab es verdorbenes Fleisch und überlagertes Essen, das aus den Mülltonnen von Supermärkten gesammelt worden war.

Bereits 2017 stand Osselton mit einem anderen Unternehmen vor Gericht: Für ihre „Karamea Holiday Homes“, die im November pleite gegangen waren, musste sie einem spanischen Angestellten mehr als 20.500 NZD Gehalt nachzahlen.

Die Untersuchungsergebnisse von ERA ergaben, dass Osselton ihre Arbeitskräfte vorrangig aus dem Internet rekrutierte und dabei vor allem Freiwillige aus Übersee anwarb. In ihren Unternehmen arbeiteten mehr als 1.000 Menschen jährlich gegen Essen und freie Unterkunft und die angesprochenen 120 NZD - die einem Stundenlohn von 3 NZD entsprechen. Die Methode hatte sie seit etwa drei Jahren angewendet und auf diese Weise wahrscheinlich tausende von jungen Reisenden ausgebeutet.

Auf der Internet-Plattform "Willing Workers on Organic Farms" (WWOOF) war das Inserat von Robinwood Farms bereits vor vier Jahren gesperrt worden, nachdem es Beschwerden gegeben hatte. Die Plattform hatte Osselton aufgefordert, die Bezeichnung WWOOF von ihrer Facebook-Seite zu entfernen und eine erneute Bewerbung unter anderem Namen entdeckt und abgelehnt. Als echte WWOOF-Farm hätte Osselton gar kein Geld auszahlen dürfen - die 120 NZD Lohn erklärte sie einem Inspektor gegenüber als Treibstoffkosten-Zuschlag für ein Fahrzeug der Farm.

Natürlich ist es keine legale Alternative für Unternehmer, ihren Verpflichtungen zu entgehen, einfach indem sie ihre Angestellten als Freiwillige bezeichnen. Osselton nutzte den guten Willen von jungen Menschen aus, die sich auf Reisen ein paar Dollar dazuverdienen wollten und keine Ahnung von ihren Rechten hatten – oder aber die Hürde eines Arbeitsvisums umgehen wollten.

Auch wenn man sich als Reisender über die WWOOF-Plattform für unbezahlte freiwillige Arbeit meldet, muss man nämlich entweder ein „Work Visa“ oder ein „Working Holiday Visa“ besitzen.

Vonseiten der Farmbesitzer ist es genauso wenig ausreichend, kulturellen Austausch und echte Neuseeland-Erlebnisse zu bieten – wer für Geld arbeitet, hat in Neuseeland Anspruch auf den Mindestlohn von 15,75 NZD (brutto) und bezahlte Urlaubstage.

(Jenny Menzel)

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