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Nudelsieb als religiöse Kopfbedeckung?

Ein neuseeländischer Teenager wollte sein Schulfoto gerne mit Nudelsieb am Kopf machen. Dies ist das Symbol der fiktiven Kirche des Spaghettimonsters, die in Neuseeland offiziell zugelassen ist. Doch die Schule machte ihm einen Strich durch die Rechnung. Jetzt will er bei der Menschenrechtskommission Beschwerde einlegen.

Eine orthodoxe Mitra, die jüdische Kippa, der islamische Sarik oder der indische Turban – das sind die bekannten religiösen Kopfbedeckungen. Aber ein Sieb? Darf das als religiöser Kopfschmuck durchgehen? Wenn es nach den Anhängern der frei erfundenen Kirche des fliegenden Spaghettimonsters geht – den sogenannten Pastafaris – dann auf alle Fälle.

Trotzdem verbot eine neuseeländische Schule einem Schüler jetzt, die stählerne Kopfbedeckung auf dem Schulfoto zu tragen. Diese „Diskriminierung“ erzürnte den jungen Mann so, dass er nun vor der neuseeländischen Menschenrechtskommission protestieren will.

Spaghettimonster-Kirche: Gleicher Status wie andere Religionen

Eine Grundlage dafür hat er: Denn Neuseeland war das erste Land, das die Spaghettimonster-Kirche, deren Anhänger Pasta und Piratentum frönen, offiziell anerkannt hat. Die erste legale Trauung fand 2016 in der Nähe von Christchurch auf einem alten Segelschiff und in Kostüm statt.

Damit hat die Kirche den gleichen Status wie beispielsweise die katholische oder anglikanische Kirche. In Deutschland, in Österreich und in der Schweiz kämpft die satirische Glaubensgemeinschaft dagegen nach wie vor um die Anerkennung als Religionsgemeinschaft.

Doch auch wenn das neuseeländische Gesetz sich äußerst tolerant zeigt; die Schule in Auckland, in der der Junge für sein alljährliches Schulfoto posieren sollte, war es nicht.

Der Teenager wurde gezwungen, das Sieb abzusetzen. Der 15-Jährige beschwerte sich daraufhin in den sozialen Medien, andere Kinder hätten religiösen Kopfschmuck auf den Fotos tragen dürfen, wie die nationale Tageszeitung NZ Herald berichtete. Außerdem verkündete er, sich bei der neuseeländischen Menschenrechtskommission beschweren zu wollen.

„Alle Religionen sollten gleiche Rechte erhalten“

Selbst nachdem andere Neuseeländer die Motive des Teenagers in Frage stellten und ihn fragten, ob die Beschwerde es wirklich wert sei, blieb der Schüler standhaft. Er tue dies, um Diskriminierung zu bekämpfen und die Gleichberechtigung aller Religionen in Neuseeland zu fördern. „Ich mache das, um die harte Arbeit von Menschen zu ehren, die für meine Rechte gekämpft haben.“

Er werde diskriminiert und das sei nicht in Ordnung. „Pastafaris haben hart dafür gekämpft, eine anerkannte Religion zu werden, und dennoch werden wir immer noch so behandelt“, wurde er im NZ Herald zitiert. „Alle Religionen sollten gleiche Rechte erhalten oder überhaupt keine Rechte.“

Schulleiter Michael Williams sagte der Zeitung zwar, die Situation sei „einvernehmlich und zu aller Zufriedenheit gelöst worden“, doch der 15-Jährige gestand dem Medium, sowohl die Schule als auch seine Eltern wären ziemlich verärgert gewesen, dass er den Vorfall auf sozialen Medien geteilt hatte. Den Facebook-Post habe er deswegen gelöscht, die Beschwerde bei der Menschenrechtskommission wolle er aber aufrechterhalten.

Pastafaris geht es um Religionskritik

Eine ähnliche Situation wurde 2011 in Österreich ganz anders gelöst. Damals wollte der österreichische Pastafari-Anhänger Niko Alm ebenfalls ein Nudelsieb als religiöse Kopfbedeckung für das Fotos seines EU-Führerscheins tragen und bekam dies tatsächlich genehmigt. Alm ging es wie auch dem neuseeländischen Teenager mehr ums Prinzip und wie der Österreicher damals sagte, um sich „bewusst mit dem System anzulegen“.

Denn den Pastafaris geht es trotz ihrer ulkigen Piraten- und Nudeloutfits doch eher um System- und Religionskritik als darum, ihre eigenen Rechte durchzusetzen. „Obwohl wir eine Religion sind, würden wir doch lieber alle Religionen entfernt sehen, oder gleichberechtigt repräsentiert“, sagte Karen Martyn einst, die als erste legal Hochzeiten im Namen der Glaubensgemeinschaft in Neuseeland schließen darf.

(Barbara Barkhausen)

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