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Neue Visa-Kategorien im Gespräch: Regierung debattiert die Problemsituation im Immigrationssektor

Mangel an Fachkräften, Schwarzarbeit und Hilferufe aus Industrie und vielen Immigrationsbüros – mit der drastisch sinkenden Netto-Migration treten nun vermehrt Probleme in Neuseeland auf. Die neu gewählte Regierung unter Premier Jacinda Ardern muss reagieren.

Debattiert werden derzeit zwei neue Visa-Kategorien, um die zugespitzte Lage im Immigrationssektor und der neuseeländischen Wirtschaft unter Kontrolle zu bringen.

In der Berufswelt des kleinen, multikulturellen Landes ist laut Statistik mehr als jeder vierte Arbeiter mittlerweile ein Migrant. Kein Wunder, dass Wirtschaftswissenschaftler mit dem Einbruch der Netto-Migrationszahlen durch die Verschärfungen und die striktere Handhabung der „Immigration Policy“ einen wirtschaftlichen Einbruch befürchten. Allein 12,9 Mrd. NZD erwirtschaftet die Tourismusindustrie jährlich.

Doch die Problematiken zeichnen sich an ganz anderer Stelle ab. Lehrermangel, fehlende Kranken- und Altenpfleger und ein massiver Arbeitskräftemangel am Bau verunsichern Arbeitgeber. In Auckland flog kürzlich ein illegaler Bauherr auf, der über 200 illegale Arbeiter auf seinen Baustellen beschäftigte.

Gerade in der Millionenmetropole suchen Firmen händeringend nach ausgebildeten Handwerkern. Ein chinesischer Baumogul möchte 200 Landsleute zur Konstruktion des „Park Hyatt“ in Auckland nach Neuseeland bringen.

„Man muss ganz klar sagen, dass unter der neuen Labour-Regierung noch keinerlei Gesetze geändert wurden. Nur die Anwendung der bestehenden Regeln ist jetzt wesentlich strikter. Das bedeutet, es bekommen viel weniger Bewerber Studenten-Visa, Paare haben große Probleme, ihre Beziehung als echte Partnerschaft zu beweisen und Arbeitgeber müssen viel genauer nachweisen, dass sie keinen geeigneten Bewerber im Inland gefunden haben“, berichtet der langjährige Immigrationsberater Peter Hahn. Der ehemalige Rechtsanwalt aus Berlin hilft seit knapp 25 Jahren seinen Kunden, in Neuseeland zu arbeiten, ins Land einzuwandern oder hier zu investieren.

„Man muss jetzt also, egal ob Student Visa, Work Visa, Partnership Visa oder Residence Visa, jeden Fall sehr genau betrachten und managen. Ist erst einmal durch unüberlegte Schnellhandlung der Kunden das ‚Kind in den Brunnen gefallen’, kann es sehr schlecht ausgehen. Dann haben auch wir große Mühe und können nicht mehr garantieren, da noch etwas zu retten“, erklärt Peter Hahn.

Erst kürzlich ging der Fall zweier Lehrer aus England und Südafrika durch die Presse, die unendlich lange auf ihre Berufszulassung und das nötige Work Visa warteten. Die Kinder einer Aucklander Schule seien ohne Mathelehrer.

„Bestimmte Berufe wie Lehrer, alle Jobs im Gesundheitssektor, aber auch beispielsweise Elektriker benötigen in Neuseeland eine eigene Zulassung“, weiß Peter Hahn. „Man kann sich also nicht einfach auf eine Stelle bewerben und dann Hals über Kopf nach Neuseeland ziehen.

So ein Verfahren dauert bis zu einem Jahr. Zunächst muss die Ausbildung bewertet und anerkannt werden, dann muss man durch den beruflichen Zulassungsprozess. Erst wenn ein Job gefunden ist, sollte der Visa-Antrag gestellt werden. Für solche Kunden braucht man einen strukturierten Plan. Viele der Fälle, die durch die Medien gehen, sind einfach unüberlegt gemanagt worden“, so der Immigrationsberater. „Man darf so einen Prozess nicht unterschätzen.“

Das bedeutet nicht, dass eine Einwanderung oder ein Work-Visa-Verfahren derzeit aussichtslos wäre: „Wir haben in den letzten Jahren jeden Work-Visa-Antrag unserer Kunden durchbekommen und möchten unseren Kunden die Sicherheit geben, die Hürde erfolgreich zu nehmen. Deshalb kalkulieren wir gleich mit der Strenge und den härter ausgelegten Bestimmungen und bauen nicht auf bloßes Daumendrücken“, so Peter Hahn.

Die Verunsicherung bei Migranten ist groß. Der deutsche Einwanderungsberater bekommt immer mehr Anfragen aus dem Inland. „Selbst Leute, die schon vor Ort sind, wenden sich an mich.“ Für Peter Hahn ein klares Indiz, dass sich der Fokus der Einwanderung derzeit hin zu einer guten Strategie verschiebt.

Auch von Regierungsseite scheint man zu überlegen, wie die Situation des Fachkräftemangels und der langen, erfolglosen Verfahren in den Griff zu bekommen ist. Im Oktober 2017 wurde der neue Immigrationsminister Iain Lees-Galloway von seinen erfahrenen Mitarbeitern in einem über 20-seitigen Papier über die Lage gebrieft. Derzeit wird in Regierungskreisen debattiert, ob man mit zwei neuen Visa-Kategorien der Lage Herr werden könnte.

„Zum einen munkelt man von der Einführung eines ,Exceptional Skills Visa‘. Hier sollen hochqualifizierte Bewerber oder extrem talentierte Migranten eine gesonderte Chance auf ein Visum bekommen“, berichtet Peter Hahn. „So ein Visum scheint mir allerdings nicht sehr sinnvoll. Wirklich hochqualifizierte Leute kriegen wir auch so schon ohne Probleme rein.“

Die zweite Visa-Kategorie, über die derzeit diskutiert wird, ist das sogenannte ,KiwiBuild Visa‘. „Labour hat der Bevölkerung 100.000 neue Häuser versprochen und muss jetzt handeln. Geplant ist wohl ein Visum, das es Baufirmen erlaubt, ausländische Facharbeiter einzustellen, wenn sie gleichzeitig einen neuseeländischen Bewerber ausbilden. Ob sich das auf dem Arbeitsmarkt in die Realität umsetzen lässt, ist für mich fraglich. Man müsste dann die Arbeitgeber subventionieren, und woher soll dieses Budget kommen?“, überlegt der Neuseeland-Experte laut. Ein eher unausgegorener Lösungsansatz.

Fakt ist: Die neuseeländische Regierung muss reagieren, um die wankende Migrationsbalance wiederherzustellen und dem schwächelnden Arbeitsmarkt und der Wirtschaft gerecht zu werden. Wie genau die Neuerungen im Immigrationsrecht aussehen und für welche deutschen Bewerber sich dadurch neue Chancen ergeben, werden die nächsten Monate zeigen.

(Anja Schönborn)

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