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Immigrationsbetrug unüberlegt und unwissentlich: Das sollte man als Antragsteller vermeiden

Immer wieder berichtet die neuseeländische Presse von „Immigration Fraud“: Missbrauch bei dem Unterfangen, eines der begehrten Visa der neuseeländischen Einwanderungsbehörde zu bekommen. Im jüngsten Fall holte ein malaysischer Bauunternehmer sogar einfach asiatische Landsleute als Schwarzarbeiter ins Land. Doch auch Europäer tappen bei der Vielzahl aller Bestimmungen im neuseeländischen Immigrationsrecht immer wieder in die Falle.

Im aktuellen Prozess gegen den Manager einer Baufirma in Auckland war die Sache schon vor der Gerichtsverhandlung klar. Adam Gan Bin Abdullah aus Malaysia lebte schon einmal illegal im Land, wurde von den Behörden deportiert und kehrte schließlich mit neuer Identität nach Aotearoa zurück.

Doch sein persönlicher Einwanderungsbetrug war nur die Spitze des Eisberges. Zurück in Neuseeland eröffnete er eine Baufirma, die sich darauf spezialisierte, illegale Schwarzarbeiter für das Baugewerbe in Auckland ins Land zu schleusen. So fanden die Behörden über 200 Schwarzarbeiter.

Mit einem Stundenlohn von rund 20 bis 40 NZD steuerfrei auf die Hand schien die Situation für alle Betroffenen gewinnbringend. „Solche Fälle, gerade im Zuge des derzeitigen Personalmangels im boomenden Baugewerbe, sind keine Seltenheit“, berichtet der langjährige Immigrationsberater Peter Hahn aus Wellington. „Doch so ein Immigrationsbetrug im hochkarätigen Stil ist nur eines der vielen offensichtlichen Missbräuche bei der Einwanderung. Es gibt auch immer wieder Europäer, die aus Unwissenheit handeln und sich somit regelwidrig verhalten oder auf einmal illegal im Land sind“, erklärt der Neuseelandexperte aus seinen knapp 25 Jahren Erfahrung im Einwanderungsbusiness.

Jobsuche trotz Touristenvisum
Die gängigste Situation entsteht bei vielen Deutschen, Österreichern und Schweizern häufig schon bei der Einreise. Die Bearbeiter an den Schaltern sind durch die neue Regierung angehalten, genauer nachzufragen.

„Viele Europäer bekommen ja mit der Einreise automatisch ein dreimonatiges Touristenvisum“, bemerkt Peter Hahn. „Geben sie auf Nachfrage an, dass sie Arbeit suchen wollen, kann es sein, dass sie abgewiesen werden und gleich wieder abreisen können. Erklären sie jedoch, dass sie nur als Touristen das Land bereisen wollen und reichen eine Woche später einen Work-Visa-Antrag ein, könnte das bei Immigration NZ aufgrund des vorherigen Eintrags ins System als Irreführung angesehen werden und ihr Antrag könnte wegen charakterlichen Mängeln abgelehnt werden.

„Auch wenn eindeutige Hinweise im Gepäck wie beglaubigte Arbeitsdokumente oder ein Lebenslauf gefunden werden, wird es schwierig. Es heißt dann bei Ablehnung, die Person sei nicht ,bona fide‘. Wer als Tourist einreist, aber auf Jobsuche ist, kann richtig Probleme bekommen!“

Einwanderungsberatung ohne Lizenz

In China und Indien ist es keine Seltenheit, dass sich Betrüger als Immigrationsberater ausgeben, Leute gezielt anwerben und Geld damit verdienen, Interessierte nach Neuseeland zu bringen. „Doch auch in Deutschland gibt es Fälle, wo sich Firmen oder Einzelpersonen als Einwanderungsberater ausgeben und Neuseeland-Interessierten vorgaukeln, wie einfach es wäre, mit noch nicht einmal existierenden Visa-Kategorien einzuwandern“, warnt Peter Hahn.

„Selbst für das Abhalten von Seminaren und Infoveranstaltungen benötigt die vortragende Person eine Lizenz der neuseeländischen Immigration Advisor Authority (IAA). Und die ist nicht einfach zu bekommen, sondern setzt zurzeit ein einjähriges Studium mit Prüfungen voraus. Nur lizensierte Immigration Advisors und zugelassene Anwälte dürfen dieser Tätigkeit rechtmäßig nachgehen – auch außerhalb Neuseelands. Und so eine Lizenz ist personenbezogen: Eine Beraterfirma kann keine Lizenz erwerben, sondern jeder einzelne beratende und vortragende Mitarbeiter des Unternehmens benötigt eine IAA-Lizenz!“

Überschneidung von Visa

Am schwierigsten ist die Situation für bereits im Land lebende Visa-Halter, die auf die Bearbeitung eines neuen Antrags warten und deren Visum zeitnah ausläuft.

Das klassische Beispiel sind Working-Holiday-Touristen, die sich kurz vor Ablauf ihrer Jahresfrist entschließen, länger bleiben zu wollen und einen Work-Visa-Antrag einreichen, wenn sie bereits eine Arbeitsstelle gefunden haben“, berichtet der Einwanderungsberater aus der Praxis.

„Rechtzeitig vor Ablauf des Working Holiday Visa erhalten sie zwar automatisch ein sogenanntes Interim Visa für weitere sechs Monate. Das erlischt aber in dem Moment, wo der neue Antrag abgelehnt wird. Selbst wenn sie den Ablehnungsbescheid noch gar nicht schriftlich erhalten haben, sondern er sich noch auf dem Postweg befindet, sind die Personen auf einmal illegal im Land, ohne es zu wissen.

Man kann bei diesem Vergehen sicher nicht von Immigrationsbetrug sprechen. Den meisten Bewerbern ist diese rechtliche Situation nicht einmal bewusst, sie kann sich jedoch sehr negativ auswirken. Selbst wer nach Erhalt der Ablehnung sofort das Land verlässt, könnte bei der Wiedereinreise Probleme bekommen“, erklärt Peter Hahn. „Sich einmal illegal im Land aufgehalten zu haben, wird so ähnlich behandelt, als wäre man schon einmal deportiert worden. Eine Wiedereinreise, auch Jahre später als Tourist, könnte den völlig Überraschten dann verweigert werden.

„Wer seine Einwanderung selbst managt, muss wirklich genau aufpassen, dass er nichts versäumt. Solche ‚Makel’ später auszubügeln, ist nicht immer möglich. Es gibt zwar die Möglichkeit eines ‚Section 61’-Verfahren, das aber keine Planungssicherheit gewährt. Das macht es wirklich schwierig, den Betroffenen noch zu helfen, da der Zug eigentlich schon abgefahren ist. Wir versuchen für unsere Kunden deshalb, das Timing mit dem Interim Visa genau zu beachten und im Zweifelsfall rechtzeitig mit der Immigrationsbehörde Kontakt aufzunehmen, um den Ernstfall zu vermeiden.“

Dokumentenfälschung

Eine ebenso gängige Betrügerei ist das Fälschen von Dokumenten beim Einreichen der unterschiedlichsten Visa-Anträge. „Besonders bei Business Visa und in der Investor-Kategorie sind die Behörden jetzt extrem aufmerksam. Bei rund 30 Prozent aller Anträge aus China wurden beispielsweise gefälschte Dokumente gefunden. Solche Versuche können in Einzelfällen auch bei deutschen Antragstelllern vorkommen. Da sollte man nichts riskieren!“, mahnt der Neuseeland-Experte.

Egal, ob Antragsteller bewusst oder unbewusst Betrug und Missbrauch bei der Einwanderung begehen: Die Folgen können gravierend sein. Deshalb sollte sich jeder genau über die Richtlinien informieren und seine Einwanderung gezielt managen, um später Schwierigkeiten zu vermeiden!

(Anja Schönborn)

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