Das aktuelle Heft ...

 ... oder ältere Hefte HIER bestellen!

Geschenkabo-Gutschein

Wenn Sie ein Geschenkabo bestellt haben finden Sie hier einen Gutschein für den Beschenkten.

 

Neuseelandhaus

Manukahonig, Wein und Bier, Schönes und Nützliches aus und um Neuseeland erhalten Sie beim

Willkommen bei 360° Neuseeland

Zu Hilfe! Instagram bringt Reisende in Neuseeland in Gefahr

Es könnte witzig sein, aber für die freiwilligen Rettungskräfte von LandSAR („Land Search and Rescue“) bedeutet es einen Haufen zusätzlicher Einsätze: Immer mehr selbsternannte Social Media Stars mit zehntausenden Abonnenten auf Instagram suchen in Neuseeland nach dem perfekten Selfie – und riskieren dabei nicht nur ihre eigene Gesundheit, sondern vor allem die ihrer Fans.

Dass Neuseeland ein Paradies für Instagrammer ist, hat sich inzwischen auf der ganzen Welt herumgesprochen. Orte wie Roy’s Peak bei Wanaka oder Mount Maunganui in der Bay of Plenty werden regelrecht belagert von Reisenden, die sich dort medienwirksam vor dem wunderschönen Landschaftspanorama selbst in Szene setzen wollen.

Die Schattenseite dieser Entwicklung erleben die Rettungskräfte von LandSAR direkt mit: Sie empfangen immer mehr Hilferufe von Menschen, die mit mangelhafter Ausrüstung und unzureichend vorbereitet zu Wanderungen in die neuseeländische Natur aufbrechen – und sich dort verlaufen, stranden oder gar verletzt steckenbleiben.

Mike Ambrose von LandSAR ist ziemlich angenervt: „Wir erleben es immer öfter, dass Leute ein Foto von einem Punkt in Neuseeland gesehen haben, das sie selbst auch machen wollen – ohne sich darüber Gedanken zu machen, dass einige dieser Orte nur für erfahrene und entsprechend ausgerüstete Wanderer oder gar Bergsteiger zu erreichen sind.“

Seine Bitte an alle Urlauber: „Schaut nicht nur die schönen Fotos auf Instagram und Facebook an, sondern überlegt euch auch, wie ihr sicher dorthin kommt.“ In Neuseeland sollte man grundsätzlich nur dann zu einer Wanderung aufbrechen, wenn man sich mit Wechselkleidung, Proviant und Trinkwasser ausgerüstet hat und über den Wetterbericht informiert ist.

Ein „Personal Locator Beacon“, mit dem man notfalls auch in Regionen ohne Funknetz-Abdeckung Hilfe rufen kann, sollte ebenfalls Pflicht sein.

Jetzt im neuseeländischen Winter sind die Rettungseinsätze für die Freiwilligen von LandSAR zurückgegangen; aber wenn ein Hilferuf komme, sei er besonders dringend, berichtet Ambrose.

Junge Leute denken oft, sie sind unverletzlich. Diese Tendenz, sich gedankenlos für mehr Abonnenten oder ein wenig Ruhm in den sozialen Netzwerken in Gefahr zu bringen, hat in den letzten Jahren eindeutig zugenommen – aber was können die Neuseeländer dagegen tun?

Warnschilder, die Touristen auf die Gefahren der neuseeländischen Natur hinweisen, können gegen die Verlockung des perfekten Instagram-Schnappschusses offenbar wenig ausrichten. Nach dem Beispiel eines Neuseeländers, der nach einem selbst verschuldeten Rettungseinsatz im US-Nationalpark Yellowstone für fünf Jahre Zutrittsverbot erhielt und eine saftige Geldstrafe zahlen musste, denken nun auch die Kiwis über strengere „Erziehungsmethoden“ nach.

Vielleicht würde es eher helfen, den jungen, risikobereiten Social-Media-Stars zu zeigen, wer ihnen im Notfall aus der Patsche helfen muss: Es sind mehr als 3000 ganz normale Menschen, die neben ihrem Beruf in ihrer Freizeit anderen helfen.

In der Saison 2016/17 verbrachten 61 Ortsgruppen und elf Spezialisten-Teams insgesamt über 30 000 Stunden bei Rettungseinsätzen in Wäldern und Gebirgen, Höhlen und Gewässern. Neuseeland hat einen der höchsten Anteile freiwilliger Rettungskräfte weltweit – denn Neuseeländer helfen eben gern und selbstverständlich.

Gut vorbereitet und ausgerüstet in Neuseeland unterwegs sein und auf diese Weise die schönsten, bisher unentdeckten Stellen fotografieren – ist das nicht viel cooler, als immer denselben Schnappschuss nachzustellen?

(Jenny Menzel)

Goto Top