Das aktuelle Heft ...

 ... oder ältere Hefte HIER bestellen!

Geschenkabo-Gutschein

Wenn Sie ein Geschenkabo bestellt haben finden Sie hier einen Gutschein für den Beschenkten.

 

Neuseelandhaus

Manukahonig, Wein und Bier, Schönes und Nützliches aus und um Neuseeland erhalten Sie beim

Neue „KiwiBuild Shortage“-Liste geplant: Work Visa Anträge werden schwieriger

Der Bauboom in Neuseeland ist nicht zu stoppen. Mit den rund 100.000 Häusern, die laut Regierungsversprechen in den nächsten zehn Jahren entstehen sollen, und den dafür fehlenden rund 30.000 Arbeitskräften in der Baubranche klafft gerade eine große Lücke auf. Die möchte der neuseeländische Immigrationsminister nun mit neuen Regulierungen schließen.

Einerseits soll die Einwanderung um etwa 30.000 Immigranten pro Jahr reduziert werden. Auf der anderen Seite sieht man aber deutlich, dass es in vielen Bereichen auf dem neuseeländischen Arbeitsmarkt gar nicht ohne qualifizierte Einwanderer geht.

„Dass beispielsweise durch neue Regulierungen weniger Studenten über das ,Student Visa‘ einwandern können, ist definitiv ein Schritt in die richtige Richtung“, kommentiert der langjährige Einwanderungsberater Peter Hahn aus Wellington die momentane Situation.

„Aber nun reduziert sich die Zahl der Einwanderer ohnehin schon deutlich. Zusätzlich wird die Anwendung der bestehenden Gesetze jetzt wirklich bis ins kleinste Detail immer strikter, was z. B. bei der Vergabe von Work Visa zu echten Stolperfallen und vielen Ablehnungen führt.

Eigentlich müsste einfach nur die Anzahl der geforderten Punkte entsprechend dem Rückgang der Einwanderer angepasst werden. Denn die Jahresquote ist nach wie vor die gleiche. Zudem herrscht derzeit eine Arbeitslosenquote von nur 4,5 Prozent, das ist für Neuseeland quasi Vollbeschäftigung.“

Im Augenblick beherrscht eine große Inflexibilität die Handhabung der Immigration-Officers. Wer nicht zu 100 Prozent in die Schablone der Einwanderungsrichtlinien passt, hat es schwer. „Die Regierung wird in Zukunft weitere, noch nicht ganz durchschaubare Neuregulierungen einführen, wie etwa eine ,KiwiBuild Skill Shortage‘-Liste für das Baugewerbe“, erklärt Peter Hahn.

Da es besonders in der Baubranche großen Mangel an Fachkräften gibt, will Immigrationsminister Ian Lees-Galloway der Industrie unter die Arme greifen. So könnten Jobs in der Baubranche auf eine gesonderte „Skill Shortage“-Liste gesetzt werden, die es dem Arbeitgeber erleichtert, Bewerber aus dem Ausland einzustellen und ihnen zu einem Work Visa zu verhelfen. Das gilt für Bereiche wie Sanitär, Elektrik, Ingenieurswesen, klassische Bauberufe oder Projektmanager im Baugewerbe.

„Diese Berufe stehen aber ohnehin schon auf der letzten ,Immediate Skill Shortage‘-Liste vom 25. Juni 2018“, weiß der Neuseelandexperte. „Das heißt: Im Grunde gibt es dann eine weitere Liste mit anderem Namen, aber denselben Regulierungen. Ich habe das Gefühl, weil sich weder die Medien noch die Bevölkerung im Einwanderungsrecht wirklich auskennen, versucht man nun, bereits bestehende Richtlinien in andere Begriffe zu verpacken und als ‚neu’ zu verkaufen. Das ist für mich alles andere als logisch. Ich denke fast, hier wird viel Wind um nichts gemacht.“

Hinzu kommt, dass z. B. ausländische Elektriker, um überhaupt arbeiten zu dürfen, eine Berufszulassung in Neuseeland benötigen. „Die ist gar nicht so einfach zu bekommen und eine weitere Hürde“, weiß der Einwanderungsberater. „Auf der einen Seite öffnet man ihnen also mit einem erleichterten Work-Visa-Verfahren die Tür, bremst sie jedoch auf der anderen Seite sofort wieder aus und macht die Tür quasi wieder zu.“

Die neue „KiwiBuild Skill Shortage“-Liste soll laut Ministerium in rund sechs Monaten in Kraft treten. Gleichzeitig will die Regierung jedoch stark den Ausbildungssektor für junge Neuseeländer im Baugewerbe fördern und sich so eigene Fachkräfte heranziehen. Die neu gebauten Häuser sollen „bezahlbarer Wohnraum“ für Kiwis werden und den Druck vom Immobilienmarkt nehmen.

„Man kann für deutsche Immigrationsinteressierte schon sagen, dass viele Handwerker, die in der Baubranche tätig sind, momentan eine gute Chance auf dem neuseeländischen Arbeitsmarkt hätten“, berichtet Peter Hahn von der Lage vor Ort. „Vor allem all diejenigen, die keine Berufszulassung benötigen, wie Zimmerer, Dachdecker und ähnliche. Viele können momentan ein Work Visa genehmigt bekommen, wenn sie eine Stelle gefunden haben.“

Ganz anders sieht es jedoch in anderen Berufsfeldern aus. Jedes Detail wird im Antrag kritisch begutachtet und jede Richtlinie auf das Genaueste befolgt. „Das bedeutet zwar nicht, dass man derzeit keine Work Visa mehr in Neuseeland bekommen kann, aber man sollte so einen Antrag nicht auf die leichte Schulter nehmen im Augenblick!“, warnt der Experte.

Schon kleinste Fehler können zu einer Ablehnung führen. Somit müssen genaueste Strategien entwickelt werden, um die Bewerber für das vorgegebene Immigrationsraster tauglich zu machen. Das gestaltet zahlreiche Verfahren aufwendiger, risikoreicher und somit leider auch kostspieliger.

(Anja Schönborn)

Goto Top