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DOC muss Konzessionen für Gletscherflüge zurücknehmen

Helikopterlandungen auf dem abgelegenen Mount Tutoko Glacier im Fiordland National Park müssen dramatisch reduziert werden, nachdem das Department of Conservation (DOC) dabei erwischt wurde, seinen eigenen Richtlinien zuwider zu handeln.

Im Februar 2016 hatte das DOC einen Versucht gestartet, mehr Gletscherlandungen durch kommerzielle Anbieter auf dem Ngapunatoru Plateau zu erlauben, um der wachsenden Nachfrage nach solchen Erfahrungen durch Touristen zu begegnen. Sieben kommerzielle Helikopter-Unternehmen erhielten Konzessionen für zehn Landungen täglich. Das Umweltschutzministerium hielt es für eine gute Idee, die Effekte einer gesteigerten touristischen Aktivität auf dem Gletscher direkt in der Praxis zu testen.

Nach einer Beschwerde des neuseeländischen Verbands der Bergsteiger Federated Mountain Club (FMC) entschied ein Ombudsmann im April 2018, dies sei „unvernünftig“ vom DOC und würde außerdem dem Gesetz widersprechen. Unter dem Fiordland National Park Management Plan, den das DOC selbst im Juni 2007 verabschiedet hat, sind nämlich nur 10 Helikopterlandungen täglich auf dem Plateau zulässig, maximal 500 pro Jahr. Der Tutoko-Gletscher gilt als stark genutztes Gebiet für Hubschrauberlandungen, Backcountry-Skifahrer und Bergsteiger.

Mike Slater, stellvertretender Direktor des DOC, akzeptierte die Entscheidung des Ombudsmanns und gelobte Besserung: Das DOC werde sich um eine Umsetzung bemühen, „sobald es praktisch möglich ist“. Er entschuldigte sich, sein Ministerium habe pragmatisch und schnell der wachsenden Nachfrage durch den Tourismus begegnen wollen. Dabei habe man fälschlicherweise die Vorgaben des Verwaltungsplans vergessen.

Peter Wilson, Präsident des Bergsteigerclubs, ist mit dieser Entschuldigung nicht zufrieden. Das DOC könne nicht einfach gesetzliche Vorgaben für den Schutz der neuseeländischen Umwelt biegen und ignorieren, um den Wünschen der inzwischen abgewählten National-Regierung und der Tourismusindustrie zu entsprechen.

Das Umweltschutzministerium hatte bereits vor dem unseligen Versuch im Jahr 2016 den Park-Plan ignoriert, indem es neun Konzessionen für bis zu 15 Gletscherlandungen pro Tag verkauft hatte. Bereits damit lag es um 80 Prozent über der zulässigen Grenze. Im Jahr 2017 gab es mehr als viermal so viele Landungen auf dem Gletscher, wie es gesetzlich erlaubt wäre.

Und noch schlimmer: Vier Monate nach der eindeutigen Entscheidung des Ombudsmanns arbeitet das DOC noch immer an der Wieder-Einhaltung der gesetzlich geltenden Limits. Die noch zulässigen Helikopterlandungen müssen nun zwischen den Konzessionshaltern neu aufgeteilt werden.

Die haben nun ein gewaltiges Problem: Tourism New Zealand hat Gletscherlandungen bei internationalen Touristen intensiv beworben, und auch die Tourismusanbieter haben ihre Marketing-Aktivitäten auf den erweiterten Konzessionen des DOC-Versuchs begründet, der noch bis Dezember 2018 laufen sollte – mit der Erwartung, dass die erlaubten Landungen noch ausgeweitet werden könnten.

Immerhin steigt die Nachfrage danach kontinuierlich. Viele Reisende, die aus Asien nach Neuseeland kommen, haben noch nie in ihrem Leben Schnee gesehen oder in einem Helikopter gesessen. Auf dem Gipfel eines Berges zu landen und dort im ewigen Eis zu stehen, ist für sie eine unvergessliche Erfahrung.

Nicht nur für die Anbieter der Helikopterflüge, auch für die enttäuschten Touristen ist das plötzliche Zurückfahren der Zahl erlaubter Landungen höchst ärgerlich. Nur die Umweltschützer und einige Bergsportler freuen sich: Die große Zahl der Hubschrauberflüge in den unberührten Lagen des Fiordland und anderer Nationalparks der Südinsel sorgt für immer mehr Lärm, und die Auswirkungen auf das empfindliche hochalpine Ökosystem sind bis dato völlig unbekannt.

Peter Wilson vom Club der Bergsteiger zieht ein vernichtendes Fazit über „den riesigen Mist“, den das DOC hier verursacht habe: „Sie haben die Öffentlichkeit verärgert und auch die Anbieter, deren Konzessionen nun nichts mehr wert sind. Das DOC hat großen Mist gebaut und wir alle müssen ihn nun ausbaden.“

(Jenny Menzel)

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