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Neuseeland führt Body-Scanner an Flughäfen ein

Neuseeländer werden beim Einchecken bald mehr vorzeigen müssen als nur ihre Bordkarte und den Reisepass. Ab 2019 sollen an den internationalen Flughäfen des Landes Ganzkörper-Röntgenscanner eingeführt werden.

Der Aviation Security Service will die modernen Scanner der Firma Rohde & Schwarz zuerst am Auckland International Terminal aufbauen. Bis Ende 2020 sollen dann Christchurch, Dunedin, Queenstown und Wellington folgen.

Vorangegangen war ein Versuchsdurchgang mit den Bodyscannern am Flughafen Wellington im Jahr 2017. Dabei erhöhte sich die durchschnittliche Zeit für das Passieren der Security von 4,7 Sekunden mit den gängigen Metalldetektor-Toren auf 18,8 Sekunden mit dem Körperscanner.

Nicht nur Passagiere befürchten nun, dass im Zuge der neuen Sicherheitstechnik Engpässe entstehen, die zu langen Wartezeigen an der Security führen können. Beim Versuchsdurchgang in Wellington wurde durch die Bodyscanner für alle Fluggäste der Check-in-Prozess länger.

Die sogenannten Nacktscanner werden in den USA seit 2010 benutzt, nachdem dort „Unterwäsche-Bomber“ Umar Farouk Abdulmutallab versuchte, Plastiksprengstoff an Bord eines internationalen Fluges zu schmuggeln.

Die Technologie ist allerdings umstritten, weil sie die Privatsphäre von Fluggästen verletzt. Kritiker beschreiben den Körperscanner als „digitales Abtasten“. Geräte, die das Bild einer unbekleideten Person erzeugen würden, widersprechen dem neuseeländischen Aviation Crimes Act.

Die Körperscanner an neuseeländischen Flughäfen werden daher speziell konfiguriert: Sie zeigen nur ein geschlechtsloses Strichmännchen, an dem diejenigen Stellen des Körpers eines Passagiers hervorgehoben sind, die vom Sicherheitspersonal näher untersucht werden sollten. Auch verdächtige Objekte am Körper eines Passagiers werden nicht direkt abgebildet, sondern nur mit einem farbigen Marker hervorgehoben.

Statt Röntgenstrahlung nutzen die Scanner nicht-ionisierende Terahertz-Strahlung, die keine bewiesenen Auswirkungen auf die Gesundheit haben sollen – Langzeitstudien liegen hierüber allerdings nicht vor.

Kein Fluggast wird gezwungen, an einem neuseeländischen Flughafen durch den Körperscanner zu gehen; allerdings bedeutet eine Weigerung, dass man sich vom Sicherheitspersonal abtasten lassen muss.

In Neuseeland besteht derzeit keine erhöhte Terrorgefahr. Trotzdem erklärt der Aviation Security Service „Avsec“ in seinem Official Information Act, Körperscanner würden mehr und mehr zur Norm an internationalen Flughäfen. Man sieht ein Ansteigen der Zahl von Fluggästen, die verbotene Objekte an oder in ihrem Körper durch die Sicherheitskontrollen schmuggeln würden, darunter improvisierte Sprengsätze ohne Metallteile oder externe Energiezufuhren.

Das höchstmögliche Sicherheitslevel für Reisende aufrechtzuerhalten, sieht die neuseeländische Luftfahrtbehörde als Hauptantrieb für die Einführung der Ganzkörperscanner an. Anfangsschwierigkeiten seien wie bei jeder neuen Technologie zu erwarten. Durch Tests und Versuche sollen Verspätungen und Behinderungen des Flugverkehrs so gering wie möglich gehalten werden. Sobald Angestellte und Fluggäste mit der neuen Technik vertraut sind, werden kürzere Durchgangszeiten erwartet. Dafür würde zumindest kurzfristig mehr Personal an den Sicherheitskontrollen nötig sein.

Über die Kosten der neuen Technologie gibt es keine offiziellen Angaben. Der Rat für Bürgerrechte spricht von „horrenden“ Kosten und einer „Übersicherung“ der Grenzen. Auch die modernsten Körperscanner lassen sich überlisten; sie zeigen nichts an, was sich im Körper verbirgt, und feuchte Kleidung kann gegen die Strahlen abschirmen. An internationalen Flughäfen werden stetig neue Sicherheitslücken aufgedeckt, die von Terroristen ohne Weiteres ausgenutzt werden können – und gegen die der Einsatz von Körperscannern gar nichts ausrichtet.

Trotzdem bemerkte der Report zum Testdurchgang am Wellington Airport eine erhöhte Zufriedenheit der Fluggäste: Die Mehrheit hätte sich sicherer als zuvor gefühlt, die Körperscanner als gut für Neuseeland eingestuft und die neue Technik als vorteilhaft gegenüber den gängigen Metalldetektoren angesehen.

Ist also eine Erhöhung der gefühlten Sicherheit die vielen Unwägbarkeiten und Risiken der teuren Körperscanner-Technologie wert?

(Jenny Menzel)

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