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Illegale Moosbälle bedrohen Neuseelands Wasserläufe

Marimo heißen die samtig erscheinenden Bälle aus sattgrünen Algen, die sich in vielen Seen auf der Nordhalbkugel finden lassen. In Japan stehen Marimo-Moosbälle unter Artenschutz. In Neuseeland gab es sie nicht – bisher jedenfalls.

Nachdem eine Künstlerin aus Christchurch drei Moosbälle illegalerweise importiert hat, könnte sich dies jedoch ändern – Neuseelands Gewässer sind nun bedroht von einer Moosball-Invasion.

Das Ministerium für Primär-Industrien (MPI) hat die Bevölkerung aufgerufen, jeden aufgefundenen Moosball zu melden. Es befürchtet eine Katastrophe ähnlich wie nach der versehentlichen Einführung von Didymo. Diese auch als „Fels-Rotze” bezeichneten Algen überziehen immer mehr Seen und Flussläufe mit einem glibberigen Schleim.

Die wesentlich hübscheren Moosbälle des Anstoßes wurden im Sommer 2015/16 über das neuseeländische Online-Handelsportal Trade Me sowie an Marktständen in Christchurch verkauft. Einige von ihnen waren die Stars in künstlerisch gestalteten Terrarien – geschaffen von der Pflanzen-Künstlerin Raquel Miranda. Die 38-jährige Brasilianerin ist Inhaberin von „Arte Viva Living Art“ in Christchurch.

Für ihre Kunstwerke mit illegalen Pflanzenbestandteilen landete die Künstlerin nun vor Gericht.

Bereits im Oktober 2012 war ein 20-jähriger Student verurteilt worden, weil er Moosbälle importiert und online weiterverkauft hatte. Unter Aquarianern sind Moosbälle sehr beliebt, weil sie das Wasser sauber halten und wenig Pflege benötigen.

Die Lage ist ernst: Marimo-Moosbälle könnten das Ökosystem neuseeländischer Seen und Flüsse zerstören. Nötig ist nur ein winziger Teil, der in freie Wasserläufe gelangt, denn die Algen vermehren sich sehr schnell. Wirft nur ein einziger Moosball-Besitzer seine Marimo in die Toilette oder in den Garten, kann es schon zu spät sein. Ist die „Wiese“ auf dem Grund eines Sees einmal von Moosbällen bedeckt, wird es enorm schwierig, das ursprüngliche Ökosystem wiederherzustellen.

Raquel Miranda lebt seit neun Jahren in Neuseeland und arbeitet hier als Pflanzenkünstlerin. Sie hat Hortikultur an der Universität studiert, wusste aber nicht, dass die Moosbälle in Neuseeland verboten sind.

Gegen sie sind nun vier Vorwürfe erhoben worden, die sie alle abstreitet: der Erwerb eines neuen Organismus, ohne dies dem Ministerium zu melden, der fahrlässige Erwerb nicht autorisierter Organismen, deren Verkauf und eine Falschaussage gegenüber den Biosecurity-Beamten des MPI über die Anzahl der Moosbälle in ihrem Besitz.

Die Künstlerin behauptete vor dem Gericht zuerst, sie habe gedacht, ihre Moosbälle wären künstlich. Außerdem hätte sie nicht wissen können, dass Marimo in Neuseeland verboten sei, da es keine offizielle Liste verbotener Pflanzen gebe. Bei Millionen von Pflanzenarten weltweit ist so eine Liste schlichtweg nicht möglich; stattdessen führt das MPI eine Positivliste von Pflanzen, die legal nach Neuseeland eingeführt werden dürfen.

Algenexperte Dr. Phillip Novis, der die Moosbälle untersuchte, wollte sich nicht dazu äußern, ob Marimo wirklich gefährlich für Neuseelands Ökosystem werden könnten. Sie stünden aus reiner Vorsicht nicht auf der Positivliste.

Raquel Miranda, die sofort nach der Anklage aktiv nach den von ihr verkauften Moosbällen gefahndet hatte, fühlt sich unfair behandelt. Sie wird die Folgen ihres Handelns jedoch wohl tragen müssen. Ein Ergebnis des Prozesses könnte aber immerhin sein, dass die Website des MPI in Zukunft klarer formulieren wird, welche Pflanzen man legal nach Neuseeland einführen darf.

Wer einen Moosball gekauft hat und besitzt, kann ihn an das MPI schicken und eine Erstattung des Kaufpreises beantragen. Bisher wurden elf Moosbälle wiedergefunden und eingezogen; drei sind noch da draußen, und niemand weiß, wo.

(Jenny Menzel)

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