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Holländerin in Neuseeland: Seit neun Jahren in der Wildnis

Miriam Lancewood lebt seit neun Jahren mit ihrem Mann in der Wildnis. Die Holländerin geht auf die Jagd, ihr Mann Peter ist der Koch. Nur ein Zelt schützt sie vor Sonne, Regen und Schnee. Wie Nomaden ziehen die beiden zu jeder neuen Jahreszeit an einen neuen Ort.

Als Miriam Lancewood und ihr Mann Peter zum ersten Mal loszogen, um in der Wildnis Neuseelands zu leben, sollte es eine auf ein Jahr angelegte Expedition sein. Inzwischen leben die 35-jährige Holländerin und ihr 30 Jahre älterer Mann seit neun Jahren ohne Strom, festen Wohnsitz und ohne festen Job.

Lancewood, die eigentlich Sportlehrerin ist, hat über ihr Leben ein Buch geschrieben („In der Wildnis bin ich frei“). Außerdem singt sie und spielt Gitarre, wenn die beiden dann doch mal wieder unter Menschen in der Stadt sind. „Wir brauchen jeder etwa 100 NZD pro Woche zum Leben – für Lebensmittel und Arztbesuche hauptsächlich, insgesamt etwa 5000 Dollar pro Jahr“, erzählt die junge Frau in einem Skype-Interview. „Irgendwie ist Geld nie ein Problem, es scheint immer zu reichen.“

Leben in der Wildnis keine spontane Entscheidung

Dass wir überhaupt sprechen können, liegt daran, dass Miriam Lancewood kurzzeitig mal wieder in der Zivilisation ist. Zwei Jahre lang ist das Paar mit dem Zelt durch Europa gezogen – durch Frankreich, Deutschland, Österreich, die Schweiz, Bulgarien und die Türkei – und hat Zeit in Australien verbracht.

Erst seit wenigen Tagen sind sie zurück in Neuseeland und wohnen kurzzeitig bei Freunden, bevor es wieder in die Wildnis geht. „Ich hatte Tränen in den Augen, Neuseeland wiederzusehen“, sagt Lancewood. In Neuseeland sei die Luft so frisch, man könne für Meilen sehen und die Farben seien besonders intensiv.

Ein Leben in der Wildnis zu führen, war für Lancewood und ihren Mann keine spontane Entscheidung. Zunächst wuchs sie völlig traditionell in einem kleinen Dorf in Holland auf, studierte Sport fürs Lehramt. Danach arbeitete sie in Simbabwe und reiste später durch Indien.

„Dort habe ich Peter kennengelernt und bin mit ihm zusammen weitergereist.“ Die beiden waren im Himalaya und trafen erstmals auf Menschen, die nomadisch lebten. „Das fanden wir fantastisch.“ Später ging es weiter durch Südostasien und Papua-Neuguinea bis nach Neuseeland. Dort arbeitete die Holländerin zunächst als Lehrerin. „Wir gingen am Wochenende wandern und ich fing an, die ganze Zeit Bücher über Expeditionen zu lesen.“

Früher war Lancewood Vegetarierin

Irgendwann formte sich dann die Idee, selbst auch eine Expedition zu unternehmen und dabei alle vier Jahreszeiten zu erleben. „Wir wollten ein Jahr in der Wildnis verbringen und ich hätte nie gedacht, dass es neun Jahre werden würden“, sagt Lancewood. „Das war ein gradueller Prozess.“ Seitdem leben die beiden ein nomadisches Leben, schlafen im Zelt und ziehen zu jeder Jahreszeit in eine neue Region.

Grundlebensmittel wie Linsen, Reis, Mehl, Salz und Gewürze kaufen sie ein. Dazu sammeln sie essbare Pflanzen und Miriam Lancewood geht auf die Jagd. „Ich jage die eingeführten Tiere, die in Neuseeland ohnehin nur Schaden anrichten, nachdem es einst nur Vögel dort gab: also Ziegen, Rehe, Hasen, Kaninchen und Possums.“

So fühlt sich die einstige Vegetarierin, die erkennen musste, dass sie Fleisch essen muss, um mehr Kraft für ihren Lebensstil zu haben, nicht schlecht bei der Jagd. Denn die von den Briten eingeführten Tierarten gelten allesamt als Plagen, die Schaden an der Flora und Fauna Neuseelands anrichten.

„Es ist die größte Freiheit, nicht zu wissen, welcher Wochentag es ist.“
Wie ein Tag im Leben der beiden Nomaden aussieht, hängt absolut vom Wetter ab.

„Wenn es schön ist, gehen wir erkunden – Peter hat ein unglaublich gutes Gefühl für die Natur und wo vielleicht ein kleiner See sein könnte“, berichtet Lancewood. „Wir sehen Orte, an denen noch nie andere Menschen waren – reine, unberührte Wildnis.“

An anderen Tagen würden sie vielleicht Brot backen. Das könne dann fast den ganzen Tag dauern, bis es gegangen sei und sie es über dem Feuer backen können. „Aber wir haben ja Zeit: Wir haben Tage, Wochen und Monate für uns“, sagt die 35-Jährige. „Es ist die größte Freiheit, nicht zu wissen, welcher Wochentag es ist.“

Früher habe sie den Sonntagnachmittag schon nicht mehr gemocht, weil sie am Montag zur Arbeit musste und am Donnerstag habe sie sich das Wochenende herbeigesehnt. „So wünscht man sein Leben fort und hat dabei gar nicht wirklich gelebt“, sagt Lancewood. 

Psychologische Ängste sind verschwunden

Ab und zu vermisst sie aber doch die eine oder andere Annehmlichkeit der traditionelleren Lebensweise. „Ich mag saubere Bettwäsche und den künstlichen Geruch, den sie hat.“ Das sei vielleicht albern, aber ihre Schlafsäcke würden eben immer nach Rauch riechen.

Außerdem sehnt sie sich manchmal nach Musik und mit anderen zu singen. Letzteres holt sie bei Besuchen in der Stadt nach und verdient so neben ihrem Buch ein wenig Geld.
In der Stadt sei sie sich stets der Gefahren durch den Verkehr bewusst: „Das ist manchmal überwältigend.“

Aber sie würden dann auch mit vielen Menschen reden und all das tun, was andere ständig täten: fernsehen, abends weggehen und zu lange wach bleiben. Trotz ihres nomadischen Lebensstils hat die Holländerin nach wie vor ein enges Verhältnis zu ihrer Familie in Europa. Diese besucht sie etwa alle drei Jahre. „Ansonsten schreibe ich Briefe mit Stift und Papier, das finde ich persönlicher.“

Gerade zu Hause merkt sie, wie sehr das Leben in der Wildnis sie verändert hat. „Meine psychologischen Ängste sind verschwunden“, sagt sie. „In Holland war ich oft nervös und habe meine Fingernägel gebissen.“ Heute könne sie Vorträge vor vielen Menschen halten und sei nicht nervös.

Das heißt nicht, dass das Paar nicht auch in der Natur manchmal Angst hat: „Wenn der Southwestern-Wind kommt, kann es gefährlich werden, diese Sturmböen können Bäume und Äste zum Abbrechen bringen.“ Peter möge auch nicht in Höhlen oder unter Felsüberhängen übernachten, aus Angst vor Erdbeben in Neuseeland.

„Wir haben kein Telefon und auch keinen Notfall-Beacon“, sagt Lancewood. Ihr Mann würde es mit inzwischen 65 Jahren deswegen nun auch ein wenig ruhiger angehen lassen. Die nächste längere Wanderung plant Miriam Lancewood mit einer anderen Frau: 500 Kilometer wollen die beiden in zwei Monaten zurücklegen und sich dabei mit Jagen und Fischen selbst versorgen.

(Barbara Barkhausen)

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