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Neuseelands Immigrations-Chaos: Problemhäufung bei der Einwanderung

Fehlende Arbeitskräfte in vielen Berufssparten im ganzen Land, überlastete Hotlines bei der Einwanderungsbehörde, Umstrukturierungen, unqualifizierte Mitarbeiter und striktere Auslegung der Richtlinien – bei der Immigration nach Neuseeland scheinen sich derzeit die Probleme zu häufen. Die teils chaotische Situation sorgt für großen Unmut.

Kaum ein Tag vergeht in den neuseeländischen Medien, ohne dass eine neue Schlagzeile für Aufregung sorgt: „Kranführer-Mangel verzögert Bauboom“, „LKW-Fahrer sind Mangelware“, „Apfel-Bauern fürchten um großen Arbeitskräftemangel bei der Ernte“, „Neuseeländischer Immigrationsservice wird als chaotisch beschrieben“. Die Negativpresse in der Lokal- und Regionalpresse in Neuseeland nimmt kein Ende.

In Auckland fehlen rund 200 qualifizierte Kranführer, welche die über 90 Langzeit-Riesenkräne mit ihren jeweils zehn Hilfskränen bedienen können. „Der Bau-Boom hier verzögert sich immer wieder, weil es nicht genügend Arbeitskräfte gibt, welche die Geräte bedienen – Tendenz steigend“, erklärt Rod Auton, Vorstand der Kranführervereinigung.

„Wir können auch nicht einfach Migranten einstellen, da der Beruf des Kranführers nicht als qualifizierter Job auf der ANZSCO („Australian and New Zealand Standard Classification of Occupations“)-Liste geführt wird. Diese basiert jedoch vorrangig auf dem australischen System. Das hilft uns also hier gar nicht, solange wir kein eigenes Einstufungsverfahren entwickeln“, bringt er seine Wut und Verzweiflung deutlich zum Ausdruck. „Ausländisches Personal einzustellen, ist langwierig und schwierig.“

Auch in Queenstown quälen sich die Arbeitgeber mit dem Immigrationsbehörden. „Betriebe hier in der Clutha-Southland-Region finden einfach nicht genügend Arbeitskräfte, Visa-Verfahren verzögern sich. Das geht mittlerweile einigen Unternehmen an die Substanz“, bestätigt auch Hamish Walker, Abgeordneter („Member of Parliament“, MP) der Region. „70 Prozent aller Fälle, die hier bei mir auf dem Tisch landen, haben mit Einwanderungsproblematiken zu tun.“

Nicht anders sieht es in der Hawke‘s Bay, dem Obstkorb Neuseelands, aus. Die Saison für die Apfelbauern hat gerade erst begonnen. Über eine Million neue Bäume sollen gepflanzt werden und an die Ernte ist noch gar nicht zu denken. Es gibt rund 1750 Saisonarbeiter, die unter dem „Recognised Seasonal Employer“- (RSE)Schema ins Land kommen sollen; ein Tropfen auf den heißen Stein.

Schon jetzt fürchten die Landwirte Ernteausfälle durch fehlende Helfer. „Wir planen Unterkünfte und organisieren lange im Voraus, wissen aber wirklich erst kurz vorher, wie viele Leute wir bekommen“, jammert John Bostock, einer von vielen Plantagenbesitzern. „Geschäftsplanung ohne Sicherheit ist wirklich schwierig. Auch die helfenden Hände der, Work and Traveller‘ retten uns dann nicht. Die Arbeitslosigkeit im Land ist ohnehin so niedrig wie noch nie. Die Lage ist wirklich dramatisch. Letztes Jahr fehlten uns allein hier in der Region rund 2000 Leute nur bei der Apfelernte.“

Mangelnde Lkw-Fahrer und fehlende qualifizierte Arbeitskräfte in anderen Berufssparten auf Nord- und Südinsel komplettieren das Bild.

„Inhumane Praxis bei der Entscheidung von Visa-Anträgen“, lange Bearbeitungszeiten und inkompetente Mitarbeiter sind nur einige der Vorwürfe, mit denen sich derzeit die neuseeländische Einwanderungsbehörde konfrontiert sieht. Der langjährige Einwanderungsberater Peter Hahn aus Wellington kann die derzeitige Situation nur bestätigen.

„Es wird momentan viel in der Einwanderungsbehörde umstrukturiert. Gute Leute gehen und weniger qualifizierte Mitarbeiter müssen neues Personal anlernen. Das ist natürlich keine ideale Voraussetzung für einen guten Service. Auch werden viele Fälle einfach strenger gehandhabt als früher, man ist mit Genehmigungen sehr zögerlich geworden. Auf dieses Vorgehen müssen sich sowohl die neuseeländischen Arbeitgeber wie auch die Antragsteller erst einstellen“, berichtet der Neuseeland-Experte aus der Praxis.

„Auch die Umstellung auf Online-Verfahren ist natürlich schwierig. Manchmal bearbeiten chinesische Mitarbeiter im Ausland die Fälle, welche mit den Gegebenheiten vor Ort gar nicht vertraut sind.“

Zudem wurden vor einiger Zeit unzählige öffentliche Schalter der Behörden im ganzen Land geschlossen und durch Telefonberatung ersetzt. Jetzt scheint der Service bei der „Immigration-Call-Hotline“ katastrophal. Auf der ‚normalen‘ Leitung für die Verbraucher landen Anrufer in einer Warteliste auf Platz 300, beschreiben die Medien mehrere Fälle.

„Die durchschnittliche Wartezeit liegt momentan leider bei rund 44 Minuten. Wir haben 60 Prozent mehr Anrufe, als wir abarbeiten können“, bestätigt die neuseeländische Immigrationsbehörde selbst. Auch der deutsche Einwanderungsberater Peter Hahn kennt die langen Warte- und Bearbeitungszeiten gut. „Wir haben eigentlich unsere eigene Hotline für Berater, die wir hin und wieder nutzen, um schnell mit den Behörden Kontakt aufnehmen zu können. Aber mein Kollege hat neulich mal den Test gemacht und bei der öffentlichen Hotline von ,Immigration New Zealand‘ angerufen. Er landete tatsächlich auf Warteplatz 250.“

Vor allem für einige ausländische Antragsteller, die ein Work Visa benötigen, kann es derzeit problematisch werden. Die Arbeitgeber brauchen ihr Personal dringend und kurzfristig, die Bearbeitung der Anträge kann jedoch Monate dauern. „Offiziell wird so ein Verfahren derzeit laut der Behörde in 73 Tagen bearbeitet“, weiß Peter Hahn.

„Ein weiterer Faktor ist, dass man keine formellen Rechtsmittel hat, um etwa gegen Fehlentscheidungen vorzugehen. Ganz im Gegenteil zu ,Residence Visa‘-Anträgen. Bei denen gibt es ein formelles Verfahren, das Hand und Fuß hat. Letztendlich kann man vor Gericht gegen eine Entscheidung vorgehen und es kommt zum ,appeal‘. Die Bearbeitungszeit solcher Anträge liegt derzeit bei rund sechs bis neun Monaten“, erklärt der langjährige Immigrationsberater aus seiner Erfahrung.

„Ich muss ganz klar sagen: So aufwendig, zeitintensiv, kompliziert und teilweise wirklich ungewiss für die Kunden wie heute war unsere Arbeit in meiner 25-jährigen Laufbahn als Einwanderungsberater noch nie. Das heißt jedoch keinesfalls, dass Einwanderung oder Arbeiten in Neuseeland unmöglich geworden sind.

Man muss heute nur höllisch aufpassen und wissen, was man tut. Sowohl die neuseeländischen Arbeitgeber als auch die Kunden müssen diese Schwierigkeiten berücksichtigen und ihre Verfahren entsprechend vorsichtig angehen und gezielt steuern. Dann hat man nach wie vor gute Chancen, nach Neuseeland auszuwandern. Denn einige Negativgeschichten in den Medien sind wohl von Anfang an definitiv falsch gemanagt worden.“

(Anja Schönborn)

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