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Die Flodder-Familie in Neuseeland: Vorboten des Overtourism

Sie warfen Pommes auf fremde Picknickdecken, sie klauten einen Weihnachtsbaum von einer Tankstelle, ließen in einem Café Müll auf den Boden fallen und benahmen sich über Wochen so auffallend daneben, dass die neuseeländische Polizei schließlich eingriff: Nach einem Zwischenfall in einem Burger King-Restaurant bekam die britische Großfamilie eine Aufforderung zur Ausreise.

In den Januarwochen des Jahres 2019 wurden die „Flodders“ aus England zu neuseeländischen Medienstars der anderen Art.

Sogar in den offiziellen Tageszeitungen wurde über die neuesten Untaten der Familie berichtet, und sobald sie weiterzogen, warnte man die Anwohner an den nächsten Reisezielen.

Vielleicht haben die „Flodders“ (wer erinnert sich nicht an den Film?) nur deshalb so viel Aufmerksamkeit bekommen, weil im Sommer Saure-Gurken-Zeit in den Medien herrscht. Aber die Empörung über das Verhalten der Touristen aus dem „motherland“ zeigt auch deutlich, wie unwohl sich die Neuseeländer inzwischen mit ihren vielen, vielen Besuchern fühlen.

Der Tourismusboom hat Neuseeland in den letzten Jahren Millionen von Gästen beschert, demnächst werden mehr Besucher im Land sein, als es überhaupt Einwohner hat. Der Ruf des grünen, ursprünglichen und einsamen Naturparadieses, der ohnehin schon arg gelitten hat, kann diese Schwemme an Touristen nicht überstehen.

Die Tourismusindustrie hat sich zu lange auf reines Wachstum fokussiert, ohne mit der Regierung und der Bevölkerung vor Ort zusammenzuarbeiten. Nun knarzt und fehlt es an allen Ecken und Enden: Gemeinden wie Queenstown ächzen unter der Last der Gäste, ohne dass sie angemessene finanzielle Unterstützung vom Staat erhalten, um deren Bedürfnissen zu begegnen. In der Hochsaison halten sich 34-mal so viele Touristen in der Stadt auf, wie sie Einwohner hat. Steigende Mieten und Grundstückspreise drängen die normalen Menschen aus der Stadt und machen das Leben hier unmöglich.

Die nach langem Zögern eingeführte Touristensteuer von 35 NZD, die ab Mitte 2019 jeder Besucher bei Ankunft zahlen muss, wird dagegen kaum etwas ausrichten können. Genauso wenig wie die 2018 eingeführten Preissteigerungen auf einigen Great Walks, die nur für Ausländer anfallen.

Anwohner von Queenstown, Kaikoura oder Rotorua können sich stattdessen auf einen weiteren Ansturm von Touristen einstellen – denn ab Februar 2019 will Tourism New Zealand mit einer neuen Kampagne gezielt für mehr Besucher aus China werben. Nach dem australischen ist China der größte und am schnellsten wachsende Markt in Neuseeland. Aber nur wenige Neuseeländer freuen sich auf noch mehr asiatische Besucher…

Nachdem die britische Familie ihre Ausreise-Anweisungen erhalten hatten, schlugen sie zurück: Eine Angehörige der Familie beschwerte sich bitter darüber, wie ungerecht und aggressiv sie von den Neuseeländern behandelt würden.

Die Entrüstung und die teils offene Feindseligkeit, die den britischen „Flodders“ in Neuseeland begegnete, sind keine neuen Phänomene. In vergangenen Jahren wurde von Kiwis berichtet, die ausländischen Mietwagenfahrern die Autoschlüssel entrissen und ihnen vorwarfen, den Straßenverkehr zu gefährden; (legale!) Freedom Camper berichteten 2018 von zerschnittenen Bremsschläuchen an ihren Fahrzeugen und 2017 blockierten ärgerliche Einwohner von Waiheke Island einem Reisebus mit Touristen die Durchfahrt.

Die neue „Tiaki Promise“-Initiative, der sich alle großen Tourismus-Organisationen und viele Unternehmen angeschlossen haben, soll genau diesen aufklaffenden Spalt zwischen den Neuseeländern und ihren Gästen wieder kitten. Besucher sollen schon bei ihrer Ankunft „eingeschworen“ werden, dass sie in ein schönes, besonderes und schützenswertes Land kommen – während die Kiwis im Land an ihre Verantwortung als Gastgeber und „Wächter“ von Aotearoa erinnert werden.

Daran müssen sich allerdings beide Seiten halten. Außerdem werden moralische Appelle allein nicht genügen, um die Neuseeländer auf die Entwicklungen der nächsten Jahre einzustellen. Wenn die Regierung nicht schnell konkrete Maßnahmen ergreift, um den Tourismusboom in kontrollierte Bahnen zu lenken, könnte das Paradies Neuseeland an seinem eigenen Ruhm zugrunde gehen.

(Jenny Menzel)

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