Vantastic

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Das aktuelle Heft ...

 ... oder ältere Hefte HIER bestellen!

Geschenkabo-Gutschein

Wenn Sie ein Geschenkabo bestellt haben finden Sie hier einen Gutschein für den Beschenkten.

 

Neuseelandhaus

Manukahonig, Wein und Bier, Schönes und Nützliches aus und um Neuseeland erhalten Sie beim

Der Geschmack von Bayern im Wairarapa

Am Fuß der hoch aufragenden Tararua Ranges steht ein etwas mitgenommener Schiffscontainer auf einer winzigen Farm. Was sich darin verbirgt: ein Stück feinster europäischer Tradition.

Zünftige bayerische Würste und andere Spezialitäten aus dem Freistaat findet man in Neuseeland nur selten, und so mancher Reisende fliegt nur deshalb mit gutem Gewissen wieder heim nach Deutschland, weil er endlich wieder „was Ordentliches essen“ will. Das könnte sich in Zukunft ändern: Bayerns rustikale Küche ist in Neuseeland angekommen.

In dem erwähnten ramponierten Schiffscontainer hat der 25-jährige Sebastian Nebel eine kleine, aber feine Fleischerei eingerichtet. In reiner Handarbeit stellt der junge Mann hier hunderte von bayerischen Würsten und andere kulinarische Kleinigkeiten aus Bayern her. Jede Woche tourt er mit seinen Produkten über die Bauernmärkte in Wellington und der Wairarapa-Region im Hinterland der Hauptstadt.

Der Fleischerberuf war für Sebastian eine naheliegende Wahl: Auf der Farm seiner Eltern, die nahe Carterton Rinder und Schafe züchten, gab es immer hausgeschlachtetes Fleisch. An den Wochenenden gehört es zum guten Ton, mit den „buddies“ auf die Jagd zu gehen.

Sebastians Eltern stammen – man ahnt es – aus Bayern. Nach der Schule zog es den Sohn denn auch nach Wartenberg in der Nähe von München, wo er nach den Spuren seiner Vorväter suchte. In der kleinen, familienbetriebenen Metzgerei „Stuhlberger“ bekam Sebastian schnell eine Lehrstelle und konnte so vier Jahre lang das Handwerk von den besten ihres Fachs lernen. „Ihre Rezepte geben sie seit Generationen weiter,” erzählt Sebastian beeindruckt. „Sie befolgen dieselben Techniken zum Teil seit 300 Jahren!”

Sobald er seinen Abschluss in der Tasche hatte, kehrte Sebastian Nebel nach Neuseeland zurück. Im Gepäck hatte er außerdem seine deutsche Freundin, Lena Donandt, und ein uraltes bayerisches Rezeptbuch, das ihm sein Chef als Abschiedsgeschenk mitgegeben hatte.

Das Paar machte sich unverzüglich daran, mit dem Spezialwissen aus Deutschland eine Existenz aufzubauen: Sebastian gründete die Firma “BavariaNZ”, die authentische bayerische Rezepte mit Kiwi-Fleischprodukten herstellt. Der alte Schiffscontainer wurde auf das Gelände der elterlichen Farm geschleppt, wo Sebastian und Lena nun leben. Frau Nebel senior kümmert sich weiterhin um die Farm, während der Vater im IT-Bereich arbeitet.

Mit der fachkundigen Hilfe seiner Freundin verbringt Sebastian nun seine Tage damit, Schinken über Manuka-Rauch zu räuchern, bayerischen Leberkäse herzustellen und Schweinebratwürste mit Fenchel, Käse, Chilli und Curry zu würzen. Die traditionelle süddeutsche Würzung bekommt auf der neuseeländischen Farm einen ordentlichen Kiwi-Schlag versetzt: Sebastians Currywurst ist ein ganz eigenes geschmackliches Erlebnis, das man in Bayern wohl nirgends finden wird.

Der Fleischer ist gern kreativ und nutzt seinen Freiraum bewusst aus: “In Bayern gibt es eigene Gesetze, die vorschreiben, wie man Bratwürste herstellen muss. Dort experimentiert man nicht mit Geschmacksrichtungen, wie wir es hier tun.“

Nebel verwendet für seine Produkte grundsätzlich Fleisch von freilaufenden Rindern und Schweinen, alle Zutaten kommen möglichst ohne Umwege direkt aus der Natur: Gewürze und Kräuter, das Wasser und die Därme.

Sebastians größte Errungenschaft bisher war die Nominierung für die „New Zealand Artisan Awards“ im Jahr 2018. Derzeit arbeitet der junge Kiwi-Fleischer an der Entwicklung einer Deutschland-inspirierten Salami.

(Jenny Menzel)

Goto Top