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Lake Waikaremoana versinkt im Müll

Die traurigen Nachrichten zum Thema Overtourism in Neuseeland hören nicht auf: Schon wieder sind Beschwerden laut geworden über Wanderer, die Neuseelands Natur als Mülleimer missbrauchen. Aber sind diesmal wirklich ausländische Touristen die Schuldigen?

Während Wanderer auf dem Lake Waikaremoana Great Walk und die Campinggäste an den sandigen Ufern des Sees in der Vergangenheit immer zufrieden mit dem Zustand der Wege und Hütten waren, häufen sich nun Beschwerden über Müllberge und Vandalismus.

Lake Waikaremoana ist ein riesiger See im Hinterland von Rotorua – das riesige, großteils unberührte Waldgebiet Te Urewera ist kein Nationalpark mehr, sondern wird seit einigen Jahren von einer Stiftung unter Vorsitz der hier ansässigen Maori vom Stamm der Tuhoe verwaltet.

Here Titoko, die für den Te Urewera Trust arbeitet, ist entsetzt über die Zustände am See und darüber, wie verantwortungslos sich Besucher neuerdings dort verhalten. An den Ufern des Sees haben Mitarbeiter der Stiftung zwischen November 2017 und Februar 2018 erschreckende 3,7 Tonnen Müll entsorgen müssen – und das von einer einzigen Campsite, dem Mokau Campground. Dazu kam etwa dieselbe Menge an Glasflaschen, Dosen und Plastik, die recycelt wurden.

“Wir sind entsetzt darüber, wie viel Müll achtlos in den Wald und den See geworfen wurde. Als wir 2017 die Verantwortung für unser altes Stammesgebiet wieder übernommen haben, hätten wir solches Verhalten von Neuseeländern und ausländischen Besuchern niemals erwartet,” berichtet Here Titoko traurig.

Ein weiteres großes Problem sind Katzen und Hunde, die auf dem Gebiet des Te Urewera von ihren Besitzern ausgesetzt werden und eine Bedrohung für die einheimische Tierwelt darstellen – neben Possums, Ratten und Wieseln, die ohnehin schon verzweifelt bekämpft werden. Essensreste, die von Wanderern in den Hütten liegengelassen werden, ziehen Mäuse und Ratten an. Die nächsten Gäste in den Hütten freuen sich darüber genauso wenig wie das Personal, das die verdorbenen Reste entfernen muss.

Nicht nur Wanderer und Camper müssen sich verantwortungsvoll verhalten. Eine wichtige Rolle kommt auch den Besitzern von Booten zu. Wenn sie ihre Fahrzeuge und Werkzeuge nicht penibel reinigen, bevor sie diese von einem Gewässer ins nächste umsetzen, werden dabei weitere Parasiten übertragen.

Die Lagarosiphon-Wasserpflanze hat seit ihrer Entdeckung 1998 bereits große Gebiete an den Ufern des Lake Waikaremoana befallen und erstickt dort andere Pflanzen und kleine Wassertiere. Bevor man dieser Plage nicht Herr wird, sind Bemühungen um Renaturierung und Wiedereinführung heimischer Arten sinnlos.

Der Appell des Maori-geführten Te Urewera Trust trifft allerdings auf einige kritische Stimmen. So bemerken einige Stammgäste des Mokau Campgrounds, dass sich die Zustände erst so verschlechtert hätten, seit das DOC nicht mehr für die Verwaltung zuständig sei.

Die neuen Verantwortlichen schaffen es offenbar nicht, regelmäßig die Mülleimer und Toiletten auf den Campingplätzen und am Verlauf des Lake Waikaremoana Great Walk zu leeren und zu reinigen. Unter Verwaltung des DOC war der berühmte Wanderweg immer in gutem Zustand und auf den Hütten arbeiteten in der Hauptsaison Ranger des DOC, die immer vor Ort waren.

Ohne anwesende Aufsichtspersonen auf den Campsites und in den Hütten richten die wenigen schwarzen Schafe unter den Wanderern leider schnell so viel Schaden an, dass das Erlebnis für alle Besucher verdorben wird. Besonders angesichts der hohen Übernachtungspreise auf dem Great Walk ist es kaum verständlich, dass die neuen Verantwortlichen so wenig für den Erhalt des Te Urewera tun.

Da klingen Appelle an Touristen, doch bitte ihren Müll mitzunehmen, hohl. Trotzdem wollen die zuständigen Ngai Tuhoe darauf verzichten, Kontrolleure und Aufsichtspersonen zu verstärken oder neue Regeln einzuführen, die ähnlich streng wie die des DOC sind – sie vertrauen auf den Anstand der Besucher.

Das DOC kommentiert weder die Beschwerden der Besucher noch die Äußerungen des Te Urewera Trust, da es für das Gebiet nicht mehr zuständig sei. Der tadellose Zustand des ehemaligen Te Urewera National Park und des Lake Waikaremoana Great Walk unter Verwaltung des DOC zeigt allerdings auch ohne Worte, dass es durchaus möglich ist, die Natur Neuseelands zu schützen und gleichzeitig für Besucher offen zu halten.

(Jenny Menzel)

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