Vantastic

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Das aktuelle Heft ...

 ... oder ältere Hefte HIER bestellen!

Geschenkabo-Gutschein

Wenn Sie ein Geschenkabo bestellt haben finden Sie hier einen Gutschein für den Beschenkten.

 

Neuseelandhaus

Manukahonig, Wein und Bier, Schönes und Nützliches aus und um Neuseeland erhalten Sie beim

Dutzende Tote und Verletzte nach Angriff auf Moscheen in Christchurch

„Dies verändert für immer, wie Neuseeländer über ihre Heimat denken.“

Neuseelands Bevölkerung steht unter Schock, nachdem mehrere Terroristen Dutzende Menschen in zwei Moscheen in Christchurch niedergeschossen haben. Mindestens 49 Menschen starben. Öffentliche Gebäude und Schulen wurden abgeriegelt. Premierministerin Jacinda Ardern sprach von einem der „dunkelsten Tage“ des Landes.

Dutzende Menschen sind am Freitag in Christchurch während zwei Schießereien in Moscheen verletzt worden – mindestens 49 Menschen kamen ums Leben. Weitere 48 Menschen werden mit Schusswunden in Krankenhäusern behandelt. Drei Verdächtige sind in Polizeigewahrsam; ein vierter, der ebenfalls mit einer Waffe festgenommen wurde, hat eventuell nichts mit der Attacke zu tun.

Polizeikommissar Mike Bush bezeichnete die Situation als „sehr ernst” und warnte die Menschen am Freitagnachmittag, in ihren Häusern zu bleiben. Schulen und öffentliche Gebäude wurden bis kurz vor 18 Uhr abgeriegelt.

Premierministerin: „Einer von Neuseelands dunkelsten Tagen“

Premierministerin Jacinda Ardern nannte die Attacke einen „bisher beispiellosen Gewaltakt“ für Neuseeland. Sie betonte, dass viele Einwanderer betroffen seien, die in den Moscheen ihr Freitagsgebet sprachen. „Sie sind Teil von uns.“ Die Attentäter hingegen seien es nicht.

„Dies ist einer von Neuseelands dunkelsten Tagen“, sagte Ardern. Die Sozialdemokratin sprach von einer Terrorattacke, die Terrorstufe wurde nach dem Angriff auf „hoch“ gesetzt.

Noch ist unklar, wer die Täter sind. Sie sollen den Sicherheitskreisen nicht bekannt gewesen sein und auf keiner Terrorliste gestanden haben. Im Internet kursierte ein Video, das einen vermeintlichen Angreifer zeigen soll, der die Attacke über eine Kamera an seinem Helm wohl mehr als 17 Minuten lang live gestreamt hat. Darin ist zu sehen, wie der Attentäter bei der Al-Noor-Moschee in Christchurch vorfährt, sein Auto parkt und mit einer Waffe in die Moschee geht. Bereits im Eingang hat er ein erstes Opfer niedergeschossen.

Video des Attentats zirkulierte im Internet

Der Schütze war mit mindestens einer halbautomatischen Schusswaffe bewaffnet, wobei mit weißer Farbe Botschaften auf Waffe und Munition geschrieben waren. Das Video – falls authentisch – zeigt, wie der Mann wahllos auf Menschen in der Moschee schießt.

Der Mann, der in dem Video behauptet, der Attentäter zu sein, hat zudem ein über 70-seitiges Manifest online gestellt, in dem er sich als weißen, 28 Jahre alten, in Australien geborenen Mann bezeichnet. Er beschreibt die Motivation für seinen Angriff als anti-islamisch, betont aber, dass er damit auch ein grundsätzliches Zeichen gegen Immigration setzen wolle.

Er habe eine normale Kindheit ohne große Probleme gehabt, aber wenig Interesse an Schule und habe nicht studiert. „Ich bin nur ein normaler weißer Mann aus einer normalen Familie“, schreibt er darin. Er empfinde keinen Hass gegen Muslime in ihrer Heimat, aber gegen diejenigen, die andere Länder „einnehmen” würden und gegen Menschen, die zum Islam konvertierten. Er äußerte auch Sympathien für andere extremistische Attentäter wie Luca Traini, Anders Breivik, Dylan Roof, Anton Lundin Pettersson und Darren Osbourne.

Der australische Premierminister Scott Morrison beschrieb den Täter und seinen Angriff als „gewalttätig, extremistisch und rechtsradikal“.

Christchurch ist unter Schock

Die neuseeländische Polizei hat die Authentizität des Videos bisher nicht bestätigt, doch der Mann, der in dem Video zu sehen war, ist laut lokaler Medienberichte wohl unter den Verdächtigen, die bereits gefasst wurden. Neben der Al-Noor-Moschee wurde auch eine weitere Moschee in Christchurch angegriffen. Mehrere an Autos befestigte Sprengsätze konnten rechtzeitig entschärft werden.

Die Bürgermeisterin von Christchurch sagte, sie sei „geschockt“. „Ich hätte nie erwartet, dass so etwas in Christchurch, geschweige denn in Neuseeland, passieren könnte.“ Ein Bürger aus Christchurch, den der „Guardian“ nur mit „Mike“ benennt, sagte der Zeitung, er habe Angst und sei entsetzt. „Dies verändert für immer, wie Neuseeländer über ihre Heimat denken.“

Christchurch erholt sich immer noch von einem verheerenden Erdbeben 2011, bei dem große Teile der Stadt zerstört und 185 Menschen getötet wurden.

Neuseelands letztes Massaker, bei dem 13 Menschen sowie der Attentäter starben, ereignete sich 1990 in Aramoana in der Nähe von Dunedin. 2016 hatte ein Waffenexperte davor gewarnt, dass sich eine Tragödie wie die in Aramoana wiederholen könne, da nicht bekannt sei, wer 95 Prozent aller Schusswaffen im Land besitze. In Neuseeland gibt es dafür kein zentrales Register.

Wurde das Erstarken von Rechtsaußen übersehen?

Neuseeland rühmt sich normalerweise seiner multikulturellen Gesellschaft und gilt als freundliches und friedliches Land. Über 70 Prozent der Bevölkerung sind europäischstämmig, etwa 15 Prozent gehören den Ureinwohnern, den Maori, an. Knapp 8 Prozent stammen aus der Pazifikregion. Nur etwas über ein Prozent der rund 4,8 Millionen Neuseeländer stammen aus dem Mittleren Osten, Lateinamerika oder Afrika.

Premierministerin Jacinda Ardern bewarb vor Kurzem erst ihre „Politik der Fürsorge“. Im Mai will sie deswegen das weltweit erste Haushaltsbudget zum Wohlergehen der Gesellschaft einführen. So hoffte sie auch, Extremisten die Luft aus den Segeln zu nehmen.

Unter Umständen wurde jedoch unterschätzt, wie stark die rechtsextreme, nationalistische Szene in Neuseeland wirklich ist. Bereits Anfang Februar warnte ein Autor des neuseeländischen Mediums „The Spinoff“: „Übersehen wir das Erstarken von Rechtsaußen?“ Darin schilderte der Autor die „verärgerten Männer mittleren Alters, die den Nationalismus in Neuseeland auf dem Vormarsch sehen wollen“.

Die Gesamtzahl der Beteiligten sei nach wie vor gering, hieß es damals, doch viele von ihnen hätten sich bereits online in Facebook-Gruppen zusammengeschlossen. Hier würden sie Nachrichtenartikel austauschen und ihre Sorge um eine „bevorstehende muslimische Invasion“ zum Ausdruck bringen.

(Barbara Barkhausen)

Goto Top