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Fragwürdige Statistiken und ihre Auswirkungen: neue Zahlen, neue Richtlinien, neue Probleme

Die Einwanderungszahlen in Neuseeland gehen zurück, soviel ist sicher. Sämtliche veröffentlichte Migrationsstatistiken werden derzeit korrigiert und durch neue Schätzungen ersetzt. Auf der einen Seite arbeitet die Politik an strengeren Einwanderungsbestimmungen, um die statistisch große Zuwanderung zu minimieren, auf der anderen Seite fehlen unzählige Arbeitskräfte und die Arbeitslosigkeit liegt bei einem Rekordtief.

Die jährliche Nettomigration (Zuwanderer abzüglich Abwanderer) soll 2018 bei 48 300 Migranten gelegen haben anstelle der prognostizierten 52 700. Doch auch diese Zahl ist bislang nur eine Schätzung.

Die sogenannten „Departure Cards“, die Reisende für die letzten 91 Jahre vor ihrem Abflug ausfüllen mussten, sind seit November 2018 in Neuseeland abgeschafft. Was eine große Zeitersparnis für die Besucher bei der Abreise bedeutet, scheint bei der Statistikbehörde momentan zusätzlich für Ungenauigkeiten bei der statistischen Auswertung der digitalen Daten und der Ermittlung der monatlichen Zahlen zu sorgen.

„Die Revision unserer geschätzten Migrationszahlen unabhängig von den Passenger Cards bereitet für uns eine neue Herausforderung“, erklärt „Population Insights“-Manager Brooke Theyers von Statistics New Zealand. „2018 gab es nahezu 14 Millionen Grenzübertritte. Schon kleine Unterschiede in der Klassifizierung der Reisenden als Kurzbesucher oder ‚Langzeit-Bleibende‘ macht bei diesen Zahlen viel aus. Von 50 Einreisenden sind typischerweise 49 Touristen und nur einer ein einreisender Migrant. Zudem konnten wir bislang nur 81 Prozent überhaupt klassifizieren“, berichtet der Statistiker von der Problematik.

Man müsse zunächst mindestens fünf Erfahrungsmonate abwarten und erfassen, um so genügend Daten für präzisere Hochrechnungen sammeln zu können.

Der langjährige Einwanderungsberater Peter Hahn aus Wellington findet die Deutung der Statistiken für Laien ohnehin schwierig: „Zu Netto-Migranten gehören alle Personen, die zwölf Monate im Land bleiben“, erklärt er, „doch dazu gehören typischerweise auch Studenten und junge Leute, die ein einjähriges Working Holiday Visa besitzen. Das erweckt allerdings einen falschen Eindruck, denn eigentlich sind das ja keine Migranten, die für immer bleiben. Nur wer ein Resident Visa hat, wandert komplett ein und erwirbt damit das lebenslange Aufenthaltsrecht. Viele neuseeländische Bürger, die die Netto-Migrationszahlen sehen, schlagen die Hände über dem Kopf zusammen, wie groß die Einwanderungsströme sind. Und da beginnt die Problematik.“

Viele politische Parteien machten die Migrationsproblematik zum Wahlkampfthema. Derzeit versucht die neuseeländische Einwanderungsbehörde deshalb, sämtliche Visa-Kategorien neu zu strukturieren oder gänzlich neu aufzusetzen. So könnte jede Kategorie eine eigene Quote bekommen, das weitere Bestehen der „Parent Visa“-Kategorie wird überdacht und 90 Prozent der Anträge in der „Entrepreneur“-Kategorie werden ohnehin abgelehnt.

„Wir hatten neulich einen solchen Kundenantrag und der zuständige Sachbearbeiter traute sich scheinbar einfach nicht, vor seinem Vorgesetzen zu rechtfertigen, dass er den Antrag genehmigen muss“, erklärt der Einwanderungsberater aus seinem Alltag. „Bei Partnerschafts-Visa werden Ehemänner abgelehnt und Familien zerrissen, weil der Partner eine chronische Krankheit hat. Immigration New Zealand scheint hier sein eigenes Regelwerk nicht zu kennen.“

Die geplante Deportation einer Zweijährigen von Filipino-Eltern oder die Verweigerung der Einreise einer brasilianischen Touristin und Freundin eines Geschäftsmanns am Flughafen in Auckland sind nur Beispiele von undurchsichtigen Geschichten, die fast täglich durch die Medien gehen.

Alle Faktoren kombiniert, verlangsamen derzeit sämtliche Visa-Prozesse und verunsichern nicht nur die Antragsteller, sondern auch die ausführende Behörde. Eine striktere Handhabung neuer und alter Richtlinien, Fehlentscheidungen und Falschinterpretation des Regelwerks sind die Folge. Hinzu kommen extrem lange Bearbeitungszeiten.

„Die Folgen bekommen derzeit alle zu spüren, die versuchen, ein Visum zu beantragen“, berichtet Peter Hahn. Das Chaos ist perfekt. „Von der Behörde gibt es immer wieder neue Vorschläge, Beratungspapiere, kryptische Ansagen und Absichten. Was vermutlich dabei herauskommt, wird ein Kompromiss zwischen der im Wahlkampf versprochenen Reduzierung der Einwanderung, dem Druck der Wirtschaft und des Arbeitsmarktes sein“, prognostiziert Peter Hahn.

Das Resultat der Misere ist, dass alle Verfahren derzeit wesentlich aufwendiger werden und mehr Zeit und Geld kosten: „Wo wir früher rund zehn Stunden Bearbeitungszeit hatten, brauchen wir heute 40. Allerdings kann ich ganz allgemein für meine deutschen Kunden zusammenfassen: Viele Änderungen betreffen unsere Klientel gar nicht. Ein gut gemanagtes Visa-Verfahren hat meist genauso gute Chancen wie vorher, dauert eben nur länger. Wir sehen uns deshalb jede persönlichen Kundensituation ganz genau an, damit wir individuell und gezielt vorgehen können. Denn kommen Kunden erst einmal mit Ablehnungen und Fehlern im Prozedere, kann es schwierig werden.“

Fakt ist: Neuseeland braucht nach wie vor ausländische Fachkräfte. Die Arbeitslosenquote liegt bei nur 4,3 Prozent – nahezu Vollbeschäftigung. Viele Firmen und Betriebe wie die Bau-oder IT-Branche suchen händeringend Personal.

(Anja Schönborn)

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