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Lange Bearbeitungszeiten bei Visa-Anträgen: Hintergründe zur Einwanderungsbehörde

Der Unmut über Immigration New Zealand wird im In- und Ausland immer größer. Unendlich lange Bearbeitungszeiten für jede Art von Visa-Antrag, keine telefonische Erreichbarkeit und geschlossene Büros der Einwanderungsbehörde sorgen für Aufregung und tägliche Negativschlagzeilen in den Medien. Hinzu kommen eine hohe Ablehnungsquote und unzählige Fehlentscheidungen der Sachbearbeiter.

„Was ist los bei der neuseeländischen Einwanderungsbehörde?“, fragen sich unzählige Betroffene, die seit Monaten verzweifelt auf die Entscheidung ihrer Visa-Anträge warten.

Ein Arbeitsvisum dauert so lange, dass sich der Arbeitgeber anderweitig umsieht. Am Ende wird das Visum genehmigt, aber das „job offer“ besteht nicht mehr.

Ein indischer Student wartet auf sein Studentenvisum und verpasst den Semesterbeginn. Urlauber, die nach Neuseeland reisen wollen und nicht automatisch mit der Ankunft aus einem „Visa Waiver Country“ ein Touristenvisum bekommen, müssen ihre Reisepläne absagen, verpassen Familienhochzeiten und gebuchte Rundreisen. Die Beantragung eines Touristenvisums dauert einfach zu lange.

Täglich berichten die Medien über neue Pannen, verärgerte Antragsteller und verunsicherte Arbeitgeber, die untragbar lange auf ausländisches Fachpersonal warten müssen. „In Australien dauert ein Work-Visa-Antrag nur zwei Tage. Hier bei uns ist der Aufwand riesig und die Wartezeiten sind nicht mehr kalkulierbar“, erklärt June Ranson von der Association of Migration and Investment.

„Firmen, die drei Monate auf Personal warten müssen, können so nicht operieren und den Erfolg ihres Betriebs garantieren. Rufen sie bei der Einwanderungsbehörde an, um sich zu erkundigen, erfahren sie noch nicht einmal, wer ihr Sachbearbeiter ist und wo sie in etwa im Entscheidungsprozess stehen.“

Eine Journalistin machte selbst den Versuch und testete, wie leicht man bei der Hotline der Behörde einen kompetenten Mitarbeiter an den Hörer bekommt. Anstelle der offiziellen Angaben von rund elf Warteminuten hing sie nahezu drei Stunden in der Warteschleife.

Unverschämt fanden viele Antragsteller, dass die Terroranschläge auf die Moscheen in Christchurch als Ausrede für verspätete Visa-Entscheidungen vorgeschoben wurden. Peter Elms, stellvertretender Manager von Immigration New Zealand in Christchurch, widerlegt den Vorwurf jedoch. Seine Behörde habe seit 15. März 2019 über 300 dringende Visa-Anträge von Betroffenen und Opfern der Attacke vorgezogen und erfolgreich bearbeitet und hier sogar einen persönlichen Beraterservice eingerichtet.

Seit den Terroranschlägen auf Christchurchs Moscheen ist die Zahl der Touristenvisa um über 1000 Anträge deutlich zurückgegangen. Interessanterweise stiegen jedoch gleichzeitig die Residence-Anträge von Menschen, die nach Neuseeland auswandern wollen, in den Wochen nach den Schießereien um 33 Prozent.

„Der Welt hat es gefallen, wie man in Neuseeland auf so eine Katastrophe reagiert hat – sowohl die Premierministerin als auch die Bevölkerung“, erklärt der Neuseeland-Experte und langjährige Einwanderungsberater Peter Hahn. Der größte Ansturm kam aus Amerika und Großbritannien.

Bereits 2017 wurden alle öffentlichen Büros der Einwanderungsbehörde in Neuseeland für den täglichen Publikumsverkehr geschlossen. Eine Umstrukturierung der Mitarbeiter brachte die ersten Schwierigkeiten. 2018 folgten Schließungen von zwölf weiteren Filialen im Ausland. Alle „Resident Visa“-Anträge werden mittlerweile in Neuseeland selbst bearbeitet. „Mittlerweile liegt der Mitarbeiterwechsel vermutlich aufgrund von Unzufriedenheit bei rund 31 Prozent“, berichtet Alastair McClymont, ein neuseeländischer Einwanderungs-Anwalt. „Das ist natürlich keine ideale Voraussetzung, wenn während eines Residence-Verfahrens die Bearbeiter kommen und gehen!“

„Die Verspätungen sind jedoch nur eine Hürde“, bemerkt der deutsche Einwanderungsberater Peter Hahn aus Wellington. „Laut Statistik gehen derzeit vier von zehn abgelehnten Residence-Verfahren erfolgreich durch ein ‚appeal‘. Das bedeutet, die Antragsteller legen Beschwerde gegen die Ablehnung eines ,Resident Visa‘-Antrags ein und bekommen Recht. Dies lässt den Rückschluss zu, dass bei NZ Immigration derzeit einfach viele Fehler passieren, also weniger Sorgfalt und Qualität im Verfahren gegeben sind. Wenn man bedenkt, dass zudem noch viele Bewerber nach der Ablehnung aufgeben, deren Verfahren vielleicht mangelhaft bearbeitet wurden, und diese theoretisch dazu gerechnet werden müssten, haben wir vermutlich eine Fehlerquote von 50 Prozent oder mehr aller abgelehnten ,Resident Visa‘-Anträge“, resümiert Peter Hahn.

Die Wartezeit für die Beantragung von 90 Prozent aller Touristenvisa liegt derzeit bei rund 34 Tagen, Studenten müssen im Schnitt 54 Tage auf ihr Visum warten und „Essential Skills Work Visa“ dauern momentan über vier Monate. Vor rund fünf Jahren lag die Bearbeitungszeit von Work Visa noch bei etwa einem Monat.

„Man muss aber auch klar sagen, dass Neuseeland es noch nie geschafft hat, in nur zwei Tagen ein Work Visa zu bearbeiten und auszustellen“, kommentiert Peter Hahn. „In Australien arbeiten die Fachkräfte auf sehr hohem Niveau, bekommen vermutlich eine gute Ausbildung und eine ausreichende Bezahlung. Und da liegt das Grundproblem hier in Neuseeland. Während wir Berater auf einen vorhandenen Bachelor-Abschluss noch ein einjähriges Aufbaustudium zur Berufsausübung absolvieren müssen, bekommen die Sachbearbeiter keine wirkliche Ausbildung.“ Wenn dann noch eine hohe Personalfluktuation hinzukommt, ist das Chaos perfekt.

Deutsche Kunden haben allerdings oft ein bisschen bessere Aussichten, beruhigt der Einwanderungsberater: „Oft gibt es Dinge im Verfahren, die wir nicht beeinflussen können, beispielsweise die Herkunft der Antragsteller von den Philippinen oder aus der Türkei oder ein Job auf niedrigem Level als Restaurantfachkraft oder im Tourismusbereich. Viele unserer deutschen Kunden arbeiten jedoch auf recht hohem Niveau.

Nach unseren Informationen gibt es bei Immigration New Zealand eine Art Schaltstelle, an der vorgefiltert wird, wie viel oder wenig Arbeit ein Verfahren mit sich bringt. Da werden vermutlich Kritikpunkte angesehen wie der Arbeitgeber, der Berufsbereich, das Level der Arbeit, die Nationalität, sowie die Vollständigkeit und Übersichtlichkeit des Antrags. Wir haben bereits bei einigen deutschen Kunden die Erfahrung gemacht, dass bei korrekter Herangehensweise und guter Vorbereitung der Anträge beispielsweise Work Visa in wenigen Wochen durchgingen.“

(Anja Schönborn)

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