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Umfangreiche Änderungen am Milford Sound geplant

Internationale Besucher könnten in Zukunft deutlich mehr für ihren Besuch am Highlight der Südinsel bezahlen. Piopiotahi oder Milford Sound ist Neuseelands größtes Tourismus-Zugpferd, fast jeder Tourist aus Übersee kommt auf seiner Reise hierher. Ein ambitionierter Plan schlägt noch für 2019 umfassende Veränderungen an diesem Touristen-Hotspot vor.

Keith Turner vom Milford Opportunities Project will noch im November 2019 bei der Regierung Neuseelands vorsprechen. Er spricht für zwei Bürgermeister, drei Behörden, darunter das DOC, die Maori der Ngai Tahu und zwei Tourismusunternehmen. Der Masterplan der Gruppe ist umfassend und blickt auf die nächsten 50 Jahre.

Seine Hauptpunkte sind, dass ausländische Touristen für das Weltklasse-Erlebnis mehr bezahlen müssen, dass der bereits entwickelte Teil des Milford Sound überfüllt und ein wenig schäbig ist und dass zu viele Reisende per Bus aus Queenstown herkommen.

Anstatt eine hektische, lange Tagesreise von dort aus zu machen, sollten Besucher in Te Anau starten – sonst können sie das Erlebnis von Ruhe und unberührter Natur im Milford Sound überhaupt nicht genießen.

Neues Land für Parkplätze oder Unterkünfte kommt nicht in Frage – schließlich liegt der Milford Sound im Fiordland National Park, einem Naturschutzgebiet mit UNESCO-Welterbestatus. Aber neue Unterkünfte zwischen Te Anau und Milford oder kreativere Arten, um Touristen hierherzubringen, werden durchaus diskutiert.

Für die Kosten des ambitionierten Plans sollen laut Turner diesmal nicht die Steuerzahler aufkommen. Das Milford Opportunities Project will sich vor allem vom privaten Sektor sponsern lassen, denn dieser hat naheliegende Interessen an neuen Tourismusangeboten.

Nach den Vorstellungen der Gruppe soll der Milford Sound ein ähnlich „kuratiertes“ Erlebnis werden wie ein Besuch der Pyramiden oder des Taj Mahal. Touristen bezahlen derzeit zwischen 200 und 300 NZD für einen Besuch des Milford Sound. Dazu gehören oft eine Busfahrt von Queenstown und eine kurze Bootstour. Im Vergleich zu den 1500 US-Dollar für eine Gorilla-Tour in Ruanda, die streng von Naturschützern überwacht wird, ist das zu wenig, meint Turner.

Er stellt sich eine Kette von touristischen Angeboten vor, deren Ende und Höhepunkt der Milford Sound ist. Auf der Anfahrt durch das Hollyford und das Eglinton Valley warten immerhin bis zu zwölf Stopps am Wegrand, von denen jeder ein tolles Erlebnis bietet.

Das Image des Milford Sound als ruhiger, abgeschiedener Ort ist ohnehin kaum noch realistisch. Von 11 Uhr vormittags bis 15 Uhr nachmittags kommen 70 bis 80 Reisebusse hier an, auf dem Pier drängen sich Besucher, die eines der vielen Ausflugsboote besteigen wollen. Und dann versperrt oft auch noch ein Kreuzfahrtschiff die schöne Aussicht auf den Sound, das dichten Rauch ausstößt und bei stillem Wetter eine Dunstschicht über die Bergwelt legt.

Die Gruppe wünscht sich ein viel stärkeres Maß an Naturschutz in der Region. Und das sollen die Touristen bezahlen. Denn die kommen ja genau wegen der Natur hierher.

Touristenmekka unter Druck

Der Druck des Massentourismus am Milford Sound ist bekannt. Die Besucherzahlen haben sich in den letzten sechs Jahren verdoppelt. Etwa 850 000 Menschen machten im Jahr 2017 eine Bootstour auf dem Sound. Geht die Entwicklung weiter wie bisher, werden es im Jahr 2019/20 mehr als eine Million Gäste sein.

Das hat auch ungewollte Folgen, nicht zuletzt verantwortungslose Freedom Camper, Müll und andere Umweltprobleme. Das DOC warnte schon 2017, dass die Infrastruktur nicht für den Ansturm der Besuchermassen ausgelegt sei. Dies werde zwangsläufig zu einer negative Besuchererfahrung und schweren Auswirkungen auf die Umwelt führen.

Der Anstieg von Besuchern in eigenen Fahrzeugen – für den heftig geworben wurde – führte zu Parkplatzproblemen. Etwa 35 Prozent der Gäste kommen zwischen 10 und 13 Uhr an und bleiben etwa drei Stunden, so dass die nachfolgenden Besucher keinen Platz mehr finden. Auch an den Mirror Lakes, am Key Summit Track, im Gertrude Valley und am Chasm Walkway gibt es nicht mehr genug Parkplätze. Die Toiletten an der Milford Road sind überlastet, acht der neun DOC-Campsites müssen dringend renoviert werden.

Die Natur und die Geografie sind weitere Herausforderungen. Der 120 km lange Highway zwischen Te Anau und Milford Sound muss im Herbst und Winter oft gesperrt werden; bei Schnee, starkem Wind und Starkregen ist das Fahren teils lebensgefährlich. Es gibt keine Ausweichstrecken, keinen Mobilfunkempfang und kein Wifi.

Tourismusanbieter im Milford Sound sind unbeeindruckt von den Warnungen des DOC und drängen auf mehr Entwicklung. Die Kreuzfahrtindustrie möchte Dinner- und Sonnenuntergangsfahrten anbieten und Touristen mit mehr Wanderwegen zu längeren Aufenthalten anregen.

Mehr Besucher bedeuten aber unvermeidlich noch mehr Druck für die Straße und die Infrastruktur, wie den einspurigen Homer Tunnel. Als Schlüsselfaktor für den Tourismus der Region gilt die Ausweitung des Flughafens von Queenstown und der Mietwagen-Anbieter dort.

Das DOC stellt sich auf 5,1 Millionen Besucher bis zum Jahr 2024 ein, während Neuseelands eigene Bevölkerung auf 5,4 Millionen bis 2028 wachsen soll. Darauf muss der Milford Sound vorbereitet werden.

Wie das Milford Opportunities Project denkt auch das DOC über eine starker geführte Besuchererfahrung nach und plant ein gezielteres Management der Besucher, um den Druck auf die Highlights zu reduzieren. Das bedeutet ein aktiveres Eingreifen in die Art, den Zeitpunkt und die Orte, zu denen Besucher reisen. Und es verlangt eine faire Beteiligung der Tourismusindustrie an den Kosten, die sie verursacht. Die eingeführte Besucherabgabe und die erhöhten Preise der Great Walks sind erste Schritte, genügen aber bei Weitem nicht.

Bis dato möchte das Milford Opportunities Project nicht über konkrete Maßnahmen sprechen. Eine Begrenzung der Besucherzahlen halten sie aber für denkbar, genau wie günstigere Preise für Neuseeländer. Auch neue Unterkünfte sollten möglich sein, wobei dafür das DOC seine Zustimmung geben muss.

Eigentlich ist es ganz einfach: Soll der Milford Sound ein touristisches Highlight bleiben, wird es dringend nötig, dass Touristen dort länger bleiben und vor Ort mehr ausgeben. Gleichzeitig müssen die Besuchszeiten gleichmäßiger verteilt werden.

Nach jahrelangen Diskussionen scheint es, dass dies am Milford Sound nur mit drastischen Mitteln erreicht werden kann – auch wenn das nicht jeden zufriedenstellen wird.

(Jenny Menzel)

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