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Kahurangi National Park wird deutlich vergrößert

Die wilde, kaum zugängliche Schlucht des Mokihinui River wäre fast einem Staudamm-Projekt zur Energiegewinnung zum Opfer gefallen. Stattdessen wird sie nun zum größten Landstück, das jemals zu einem existierenden Nationalpark in Neuseeland hinzugefügt wurde.

Fast 65 000 Hektar Land nördlich von Westport werden bald zum Kahurangi National Park gehören und den zweitgrößten Nationalpark Neuseelands um 14 Prozent vergrößern. Die zusätzliche Fläche ist größer als Christchurch und etwas halb so groß wie Auckland.

Der Mokihinui River fließt durch eine weitgehend unberührte Landschaft von Podocarp- und Buchenwäldern und offenen Tussockgras-Ebenen. Hier lebt eine große Zahl bedrohter einheimischer Tier- und Pflanzenarten, darunter die Whio-Ente, der Kea und der Kaka, der Haastkiwi und mehrere fleischfressende Riesenschneckenarten. Auch im Fluss selbst tummelt sich eine enorme Artenvielfalt.

Hier führt auch ein Teil der Old Ghost Road entlang: ein 85 Kilometer langer Rad- und Wanderweg, der auf den Spuren eines historischen Goldsucherpfades an Geisterstädten vorbei und über felsige Grate und Gipfel führt.

Trotz seiner Bedeutung für den Naturschutz und die Geschichte Neuseelands war das Gebiet des Mokihinui lange Zeit heftig umkämpft und wäre beinahe der Standort für eines der größten Wasserkraftwerke Neuseelands geworden. Das Unternehmen Meridian Energy wollte im Jahr 2007 hier einen 85 Meter Damm bauen und dadurch einen See künstlich anstauen. Dabei wären hunderte Hektar an unberührtem Wald geflutet worden, das tief eingeschnittene Flusstal wäre verschwunden.

Der 250 Millionen Neuseelanddollar teure Plan war zunächst von der Regierung zugelassen worden, dann aber auf immer mehr Widerstand gestoßen. Das DOC legte Berufung vor Gericht ein. 2012 ließ Meridian Energy seinen Plan schließlich freiwillig fallen.

Daraufhin wurden immer mehr Stimmen laut, die nach einem permanenten Schutz des Mokihinui River vor Entwicklungsprojekten riefen. 2019 war es endlich soweit: Umweltministerin Eugenie Sage dankte bei der Übergabe des Landes an den Kahurangi National Park ausdrücklich all jenen, die damals gegen das Staudamm-Projekt gekämpft hatten.

Die Mokihinui Gorge und das sie umgebende Land genießen nun den strengstmöglichen Schutz als Teil eines Nationalparks. Die Fläche von 65 000 Hektar ist allein etwa doppelt so groß wie der Egmont National Park und wird den Kahurangi National Park auf 517 000 Hektar vergrößern.

Der größte Nationalpark Neuseelands bleibt allerdings weiterhin der Fiordland National Park mit seinen 1,2 Millionen Hektar.

Die Mokihinui-Region galt lange Zeit als Vorzeigebeispiel für ein typisches Problem des Naturschutzes in Neuseeland: Als das DOC 1987 gegründet wurde, überschrieb man ihm zeitweilig die Kontrolle über große Flächen Land im Besitz der Krone. Jede Parzelle sollte auf ihren Wert für den Naturschutz hin untersucht und klassifiziert werden, bevor man sie entweder verkaufen oder unter strengeren Schutz stellen würde. Dies geschah allerdings nie, was heute dazu führt, dass etwa 2,5 Millionen Hektar Land – etwa 10 Prozent von Neuseelands Festland – in einem Schwebezustand hängen.

Während einige Regionen kaum oder gar keinen Wert für den Naturschutz darstellen, benötigen andere – wie der Mokihinui River – dringend strengere Schutzmaßnahmen. Für Unternehmen ist dieses Land unter vorläufiger Verwaltung attraktiv, weil es eben kaum geschützt ist. Sie können es legal gegen Privatland eintauschen, wenn dies den allgemeinen Artenschutz befördern würde.

Das Vorhaben, in der Hawke’s Bay den Ruataniwha Dam zu errichten, wurde nur knapp vermieden. Es hätte den Waldpark auf den Status vorläufig verwalteten Landes herabgestuft, wonach man das Gebiet gegen privates Land hätte eintauschen können. Das Oberste Gericht stoppte den Plan.

Zu den unmittelbar von Entwicklungsprojekten bedrohten Gebieten gehören z. B. der Waitaha River im südlichen Westland, der ebenfalls Standort eines Wasserkraftwerks werden soll, oder das Denniston Plateau nahe Westport, wo immer wieder Vorhaben für erneuten Bergbau angemeldet werden.

Insofern ist die Erhaltung des Mokihinui-Gebietes durch seine Einmündung in den Kahurangi National Park eine sehr gute Nachricht für Neuseelands Natur – aber hoffentlich nur ein erster Schritt hin zu weiteren Naturschutzmaßnahmen.

(Jenny Menzel)

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