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Ausländische Fahrer rasseln durch neuseeländische Theorieprüfung

Touristen, die Neuseeland mit dem Mietauto oder -campervan bereisen, sorgen immer wieder für Negativ-Schlagzeilen: Sie wären schlechte Fahrer und würden Neuseelands Straßen unsicher machen, heißt es oft. Dass an der Pauschal-Vorverurteilung wenig dran ist, zeigen aber ebenfalls immer wieder statistische Daten zu den Unfallzahlen. So gab es zuletzt im Januar Entwarnung aus dem neuseeländischen Verkehrsministerium: Ausländische Fahrer sorgen demnach durchschnittlich für weniger Verkehrsunfälle als Neuseeländer, auch wenn ihre Zahlen insgesamt stetig zunehmen.

Nach Angaben der Regierung waren Touristen zwischen 2013 und 2017 an 7 Prozent der tödlichen Verkehrsunfälle in Neuseeland beteiligt (was nicht bedeutet, dass sie diese alle verursacht haben). Die absolute Zahl der Unfälle mit ausländischen Fahrern ist in den letzten zehn Jahren relativ stabil geblieben.

Die nächste Runde in der endlosen Debatte wurde nun in Queenstown eingeläutet: Im Februar und März fielen dort in einer freiwilligen Befragung von Touristen aus insgesamt 34 Ländern ganze 97 Prozent durch die Fahrprüfung. Nur sieben von 226 Teilnehmenden bestanden den Test, der aus 35 echten Prüfungsfragen bestand, von denen neuseeländische Fahranfänger 28 korrekt beantworten müssen.

Die meisten der Prüfungsteilnehmer waren zum Zeitpunkt der Prüfung bereits mehr als eine Woche in Neuseeland unterwegs gewesen – hätten also reichlich Zeit und Gelegenheit gehabt, die Antworten zu lernen. 31 Befragte aus China erklärten allerdings, sie könnten den Test nicht machen, weil ihr Englisch zu schlecht sei.

Gefragt wurde unter anderem, was man tun muss, wenn man eine Panne hat, wie man korrekt nach rechts in eine Einbahnstraße mit zwei Spuren einbiegt oder wann man die Scheinwerfer einschalten muss.

Die schlechten Ergebnisse stehen im Widerspruch zu den Statistiken des Verkehrsministeriums, und die Tourismusindustrie kritisierte sie auch sofort als nicht auf die Allgemeinheit der Touristen zutreffend und außerdem rufschädigend. Wichtig sei die „allgemeine Fahrkompetenz“, nicht die Beantwortung von 35 Einzelfragen. Um die Ergebnisse korrekt einzuordnen, wäre außerdem eine parallele Befragung neuseeländischer Verkehrsteilnehmer wichtig gewesen – auch die hätten sicherlich nicht alle Fragen korrekt beantworten können, wenn ihre Fahrprüfung schon mehrere Jahre her wäre.

Die Autoren des Berichts, der Ende Juni 2019 von der Otago University veröffentlicht wurde, zeigten sich davon unbeeindruckt. Die Ergebnisse würden einige besorgniserregende Trends zeigen: So gab es keine einzige Testfrage, die von allen Befragten korrekt beantwortet wurde. Das heißt, dass es keinen Einzelbereich gibt, in dem man Touristen besser informieren müsste – eher herrsche generelles Unwissen über die neuseeländischen Verkehrsregeln.

Etwa 15 Prozent der befragten Fahrer waren sich nicht sicher, ob sie in Neuseeland sicher ein Fahrzeug steuern könnten. Zur Erinnerung: Die meisten waren schon mehrere Tage im Land unterwegs! Genauso gab es aber eine Anzahl an durchgefallenen Teilnehmern, die sich ihrer Fahrkünste sehr sicher waren.

Gemeinsam mit den Tourismusunternehmen unternimmt die Regierung schon viel, um die Verkehrssicherheit ausländischer Touristen zu erhöhen: Im Rahmen der „Visiting Drivers“-Kampagne werden Besucher bereits bei der Reisebuchung über die Verkehrsregeln informiert, und auch während ihrer Fahrzeugmiete mit Informationen begleitet. Der auffällige, nach links zeigende Pfeil auf dem Armaturenbrett von Mietfahrzeugen ist sicherlich jedem Neuseeland-Reisenden bekannt.

Auch ist inzwischen jede Autovermietung verpflichtet, Kunden vor Übernahme des Fahrzeugs über die neuseeländischen Verkehrsregeln und Straßenverhältnisse zu informieren. Das geschieht meist in Form eines Aufklärungsvideos, dessen Ansehen und Verstehen die Mietenden dann mit ihrer Unterschrift bestätigen müssen.

Touristen, die privat ein Auto kaufen, werden von den intensiven Aufklärungskampagnen allerdings meist nicht erreicht.

Das Image ausländischer Fahrer ist in Neuseeland inzwischen dank zahlreicher Medienberichte ziemlich negativ geworden. Dass es trotz der starken Zunahme der Touristenzahlen keinen exponentiellen Anstieg der Verkehrsunfälle gab, müsste eigentlich Beweis genug sein, dass auch Nicht-Neuseeländer über die neuseeländischen Verkehrsregeln im Großen und Ganzen gut informiert sind.

Zu den meisten Unfällen in der vom Verkehrsministerium ausgewerteten Periode von 2013 bis 2017 kam es, weil der Fahrer die Kontrolle über das Fahrzeug verloren hatte, die Vorfahrt oder ein Stoppschild missachtete, einen anderen Verkehrsteilnehmer nicht gesehen hatte oder abgelenkt war. All diese Unfallursachen würden von der theoretischen Befragung der Otago University nicht präsentiert, kritisierte das Verkehrsministerium: Die Theoriefragen zeigten nicht, wie Fahrer im konkreten Fall auf der Straße reagieren würden.

Viel wichtiger als das Pauken von Testfragen ist für Touristen, dass sie ihre Fahrt durch Neuseeland ausgeruht und gut aufgeklärt antreten. Um die richtigen Entscheidungen treffen zu können, müssen sie eher etwas über die Reisezeiten und sichere Reisegeschwindigkeiten auf neuseeländischen Straßen, den Zustand der Straßen und das wechselhafte Wetter wissen.

Trotzdem oder gerade deshalb haben die Tourismusindustrie und das Verkehrsministerium weitere Untersuchungen angekündigt, um die Unfallraten von neuseeländischen und ausländischen Verkehrsteilnehmer zu reduzieren.

(Jenny Menzel)

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