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Ertrinkt Neuseeland im Müll?

Neuseelands Bevölkerungszahl wächst, genau wie die Zahl der jährlichen Besucher. Zusammen mit der Zahl der Menschen ist auch das Müllproblem gewachsen. Die Kampagne „Be a tidy Kiwi“ des Vereins Keep New Zealand Beautiful wurde deshalb nach langer Pause erneut gestartet – mit typisch neuseeländischem Humor unter dem Slogan „Mama Nature“.

Das ist dringend nötig: Die Neuseeländer gehören inzwischen zu den größten Müll-Erzeugern in der entwickelten Welt. Pro Jahr wirft jeder Kiwi 735 kg Müll weg. Obwohl die Bemühungen um Recycling und Kompostierung von Haushaltsmüll in den letzten Jahren zugenommen haben, hat sich die Menge des Mülls, der in Neuseeland hauptsächlich vergraben wird („landfill“), in den vergangenen sieben Jahren um ein Drittel vergrößert.

Das schlimmste Problem sind die Zigarettenstummel. Mehr als 10 Milliarden davon liegen in Neuseeland herum, das entspricht über 2000 Kippen pro Person. Und dabei sind die Millionen von Stummeln, die in Seen, Flüssen und dem Ozean landen, noch gar nicht mitgezählt. Sie alle verschmutzen Wasser und Böden mit Blei, Arsen und Kadmium. Dazu kommt die Gefahr für Vögel und Fische, die Zigarettenstummel für Futter halten. Je nachdem, wo sie landet, braucht eine Zigarettenkippe zwischen zwei Monaten und drei Jahren, um sich aufzulösen.

Zigarettenstummel machen fast 80 Prozent des Mülls aus, der in Neuseeland herumliegt. Sie werden auf Fußwege und öffentliche Plätze geworfen, am Strand ausgedrückt und achtlos aus Autofenstern geschnippt. Oft von Menschen, die niemals daran denken würden, Getränkedosen oder anderen Müll auf diese Weise zu entsorgen.

Wie viel Müll liegt in Neuseeland herum?

Der Verein „Keep New Zealand Beautiful” hat gerade seinen landesweiten Müll-Report für 2019 veröffentlicht. Sein Fazit: Die traditionelle Kampagne „Be a Tidy Kiwi” muss viel intensiver geführt werden, wenn sich am Müllproblem in Neuseeland etwas ändern soll.

Allein der Müll, der in Neuseeland illegal an Straßenrändern und Bahngleisen entsorgt wird, ergibt unglaubliche 265 Millionen Liter. Neben dem riesigen Problem der weggeworfenen Kippen wird Neuseeland nach einer Schätzung des Berichts von etwa 395 Millionen Litern an Wegwerfwindeln verschmutzt; dazu kommen 3,7 Milliarden Plastik-Kleinteile und 258 Millionen Liter an Fastfood-Verpackungen.

Die Untersuchung von Keep New Zealand Beautiful ist die erste, die exakt zählt, was und wie viel in Neuseeland individuell weggeworfen wird. Einige der Zahlen decken sich mit den Ergebnissen internationaler Studien. Aber Neuseeland hat auch einige Überraschungen: Allein mit den weggeworfenen Einwegwindeln könnte man in Neuseeland 158 olympiataugliche Schwimmbecken füllen – dabei gibt es im ganzen Land nur eine Handvoll von diesen.

Die Brauereien Speights und DB sowie der Fastfood-Riese McDonald‘s wurden von der Müll-Studie als die Marken identifiziert, die am häufigsten auf weggeworfenen Dosen und Verpackungen gefunden wurden.

Wie kann Neuseeland wieder sauberer werden?

Eine der einfachsten Lösungen, um das Müllproblem in Neuseeland in den Griff zu bekommen: Die Menschen müssen dazu gebracht werden, sich mehr zu bewegen. Eine neue Verhaltensstudie, die ebenfalls von Keep New Zealand in Auftrag gegeben wurde, maß den durchschnittlichen Abstand zum nächsten Mülleimer für Menschen, die ihren Müll in die Umgebung warfen.
Die Entfernung, an der die meisten entscheiden, dass der Mülleimer zu weit entfernt ist, beträgt nur 8,1 Meter! 44 Prozent der Menschen warfen ihren Müll (überwiegend Zigarettenkippen) aber in einer Entfernung von unter fünf Metern zu einem Mülleimer in die Umgebung.

Dabei ist die grundlegende Einstellung der Neuseeländer eigentlich perfekt: 99 Prozent der Befragten in der Verhaltensstudie fanden es sehr wichtig oder extrem wichtig, dass Neuseeland sein international grünes, sauberes Image aufrechterhält. 93 Prozent fanden es extrem wichtig oder sehr wichtig, dass ihre Umgebung sauber bleibt. Raucher werfen ihre Kippen trotzdem regelmäßig in die Umwelt, oft weil sie irrtümlich glauben, die Stummel wären kompostierbar, nur klein und harmlos.

Die “Tidy Kiwi”-Kampagne läuft in Neuseeland bereits seit den 1970er-Jahren. Nach einer längeren Pause wurde sie 2018 erneut gestartet und richtet sich zunächst an Kinder durch Programme in den Schulen.

Um Neuseelands wachsenden Müllberg zu verkleinern, ist diese Kampagne allerdings nicht ausreichend.
Die Untersuchung von Keep New Zealand Beautiful wurde in Zusammenarbeit mit der Statistik-Behörde, dem Department of Conservation und dem Umweltministerium erstellt und von Februar bis Jul 2019 durchgeführt. Daten wurden durch Begutachtungen und Zählungen vor Ort gesammelt. An jedem Untersuchungsort wurden mindestens fünf Gebiete in unterschiedlicher Lage bewertet. Die Ergebnisse wurden anschließend auf eine Fläche von 1000 Quadratmetern hochgerechnet und auf die Gesamtfläche von Neuseeland extrapoliert.

Nach der Müllzählung beseitigten die Wissenschaftler den vorgefundenen Müll. Innerhalb der nächsten drei Jahre sollen alle untersuchten Stellen erneut aufgesucht und bewertet werden, um den „Müllfluss“ besser verstehen zu können.

Auch als Besucher in Neuseeland kann man helfen, das Land sauberzuhalten! Die nächste landesweite „Clean Up Week“ findet vom 9. bis 15. September 2019 statt.

(Jenny Menzel)

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