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Ist Neuseeland doch kein sicheres Reiseziel?

Der Mord an einem australischen Touristen in der Nähe von Raglan am 16. August 2019 hat einen Schock ausgelöst – vor allem in den Kreisen der Neuseeland-Reisenden. Für die Neuseeländer selbst ist Kriminalität nichts Neues. Einige haben nach dem furchtbaren Geschehnis sogar kommentiert, Touristen wären zum Teil selbst schuld – sie würden sich in Neuseeland viel zu arglos bewegen.

Sind Touristen in Neuseeland sicher vor Diebstahl und Gewaltverbrechen? Nein, sagt ein ehemaliger Polizist, der heute als Sicherheitsspezialist arbeitet, in einem Interview mit der Zeitung „Stuff“. Bruce Couper wundert sich immer wieder über die Wahrnehmung seiner Heimat als „sicherer Hafen“.

Der Mord an dem Australier, der mit seiner kanadischen Freundin an einem abgelegenen Küstenstück Freedom Camping machte, war kein Einzelfall, sagt der Sicherheitsexperte. Und er klagt die Tourismusindustrie Neuseelands an, sie würden Reisenden „nicht das ganze Bild“ zeigen und in einigen Fällen Gefahren absichtlich herunterspielen.

„Ich halte das für unverantwortlich”, sagt Couper. „Die Leute, die nach Neuseeland kommen, wiegen sich in falscher Sicherheit. (…) Das hier ist nicht Singapur oder Japan.“

Der Staat müsste stärker für Sicherheit sorgen, vor allem an öffentlichen Orten, die von vielen Touristen besucht werden. Bisher gibt es dort kaum Warnschilder, die Touristen vor dem Risiko von Diebstahl oder Raubüberfällen warnen. Es gibt auch kaum Sicherheitsmaßnahmen wie Kamera-Überwachung.

Viele beliebte Sehenswürdigkeiten in Neuseeland liegen in abgelegenen, dünn besiedelten Gegenden. Parkplätze sind nicht bewacht, und viele Wanderer machen sich Sorgen, ob ihre abgestellten Fahrzeuge wirklich sicher sind. Als Wohnmobil-Reisender ist es gar nicht möglich, alle persönlichen Wertgegenstände auf eine kurze Wanderung mitzunehmen. Immer häufiger werden Fahrzeuge von Touristen aufgebrochen, ausgeraubt, Räder werden abgeschraubt und sogar Bremsleitungen zerschnitten.

Diese Vorfälle zeigen die Schattenseite der neuseeländischen Gesellschaft. Gelegenheit macht Diebe, vor allem in Regionen mit hoher Arbeitslosigkeit und Drogenkonsum. Dass Neuseeland seit Jahren mit einem massiven Drogenproblem kämpft, was natürlich Beschaffungskriminalität auslöst, ist kaum einem Reisenden bewusst.

Sicherheitsexperten wie Couper sehen den Staat in der Pflicht, für mehr Sicherheit zu sorgen. Kameras und intensivere Polizeipräsenz würden nicht nur Kriminelle abschrecken, sondern auch Touristen auf mögliche Risiken aufmerksam machen.

„Ja, Neuseeland ist sicherer als viele andere Länder der Welt. Aber dort verhalten sich die Touristen vorsichtiger und sind wachsam. Nach Neuseeland kommen viele mit der Einstellung, hier könne ihnen nichts passieren“, warnt Couper.

Allan Sanson, Bürgermeister des Waikato-Distrikts, in dem der Mord passierte, sieht die Verantwortung aber auch bei den Touristen. Er warnte Freedom Camper davor, an allzu abgelegenen Orten zu übernachten – das sei „wahrscheinlich nicht allzu klug“. Stattdessen sollten sie Plätze in oder in der Nähe von Städten benutzen.

Weitere Vorsichtsmaßnahmen sind, abgestellte Fahrzeuge immer zu verschließen, keine Wertsachen im Auto oder Campervan liegenzulassen und allgemein auf die Empfehlungen anderer Menschen und das eigene Bauchgefühl zu hören.

Die andere Seite des Mordes in Raglan soll aber ebenfalls nicht vergessen werden: Anwohner sorgten mit überwältigender Anteilnahme und Freundlichkeit für die Angehörigen des jungen Australiers. Sie legten Blumen an der Stelle nieder, wo der Mörder den Miet-Campervan mit der Leiche abgestellt hatte. Sie haben ein Gedenkbuch für die Tourist-Information organisiert, in der man der Familie sein Beileid ausdrücken kann, und dank ihrer Hilfe wurde der mutmaßliche Mörder schnell gefasst.

Neuseeland mag vielleicht nicht das sicherste Land auf dieser Erde sein – aber es hat bestimmt die freundlichsten Einwohner.

(Jenny Menzel)

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