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Historisches Ripapa Island ist wieder für Besucher offen

Bild-Credit: Lyttelton Harbour, Jocelyn Kinghorn, CC-BY-SA 2.0 (https://www.flickr.com/photos/joceykinghorn/10938419473)

Die kleine Insel auf der Südseite des Lyttelton Harbour bei Christchurch war schon vieles: eine Festung der Maori und ein heiliger Begräbnisort, eine Quarantänestation, ein Kriegsgefangenenlager und zuletzt ein schwer bewaffneter Verteidigungsposten gegen russische, deutsche und japanische Eindringlinge.

Am spannendsten für deutsche Besucher sind die eingeritzten Initialen des deutschen Fliegerkapitäns Graf Felix von Luckner. Nach seiner Gefangennahme in den letzten Tagen des Ersten Weltkriegs verbrachte er 109 Tage auf Ripapa Island. In den Jahrzehnten nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde Ripapa Island zu einem Geheimtipp für Geschichtsinteressierte. Schulklassen und Marine-Kadetten bestaunten die riesigen Kanonenstellungen, streiften durch die labyrinthischen unterirdischen Tunnel, Torpedolager und Bunker und lauschten Erzählungen über Gefechte mit dem gefürchteten Maori-Krieger Te Rauparaha.

Das starke Erdbeben, das 2010 und 2011 große Teile von Christchurch zerstörte, beschädigte auch die historischen Anlagen auf Ripapa Island stark. Die ohnehin bereits wackelige Anlegestelle stürzte ein, die Insel wurde aus Sicherheitsgründen für Besucher geschlossen.
Nach acht Jahren war Ende 2019 die Arbeit des Department of Conservation und der örtlichen Maori-Gemeinde Te Hapu o Ngati Wheke abgeschlossen: Die Insel mit ihren vielen historischen Stätten ist ab sofort wieder offen. Umweltministerin Eugenie Sage zeigte sich bei der Eröffnungsfeier begeistert: „Dieser Ort wird eine Stätte von landesweiter Bedeutung, weil er beide Seiten unserer Geschichte beleuchtet.“

Für die Maori war Ripapa ein strategisch wertvoller Platz: Ihre Spitze ragte Anfang des 18. Jahrhunderts hoch über der Banks Peninsula auf und machte sie zu einem schwierigen Ziel für Angriffe der englischen Soldaten. Auf Ripapa fanden mehrere blutige Schlachten statt, darunter auch einige heftige Kämpfe zwischen einzelnen Maori-Stämmen und kannibalistische Blutfehden. Häuptling Te Raupahara überrannte die Insel schließlich bei seinem brutalen Eroberungsfeldzug der Südinsel.

Von dieser Vergangenheit zeugen auf der Insel mehrere Gräber. Im Jahr 1998 wurden die Grabstätten zu einem besonders geschützten „topuni“-Ort erklärt. Besucher dürfen auf Ripapa Island aus Respekt vor dem „Tapu“-Status weder Speisen noch Getränke zu sich nehmen.
Am Ende des 19. Jahrhunderts wurde Ripapa Island zur Quarantänestation für Einwanderer aus England umgebaut. Die Neubürger kamen nach monatelanger Seereise oft krank in Neuseeland an. Um die Ansteckung mit Scharlach, Pocken, Typhus und Masern zu verhindern, verbrachten sie einige Wochen auf Ripapa Island.

Auch 150 Gefolgsleute des Maori-Häuptlings Te Whiti aus Taranaki, die sich gegen illegale Landnahmen der Engländer gewehrt hatten, wurden sechs Monate lang auf Ripapa Island gefangen gehalten. Aus Angst vor einem Angriff der Russen begann Neuseeland in den 1880er-Jahren, seine großen Häfen zu befestigen. Die Festung aus Basaltsteinen auf Ripapa Island entstand 1886 und erhielt den Namen Fort Jervois nach einem ehemaligen Governeur. Obwohl die Gefechtsstellung in beiden Weltkriegen durchgängig im Einsatz war, um die Stationen am Godley Head und am Battery Point zu unterstützen, wurde von hier aus kein einziger Schuss abgefeuert.

Der eindrucksvolle Haupteingang zum Fort Jervois wird überragt von steinernen Wällen, deren schmale Fensternischen mit rostigem Stahl vergittert sind. Das Highlight der jüngeren historischen Anlagen sind die pneumatisch versenkbaren Kanonenstellungen aus englischer Produktion. Sie sollten Angreifer beschießen, die in den Hafen von Lyttelton einfahren würden – und gleich danach wieder abgesenkt werden, um Gegenbeschuss zu vermeiden.

Seit 1990 wird Fort Jervois vom Department of Conservation verwaltet. Man hofft auf viele interessierte Besucher. Die renovierte Anlegestelle ist rund um die Uhr geöffnet. Geplant sind außerdem der Bau einer Brücke zum Festland und das Aufstellen mehrerer geschnitzter Markierungspfosten für die Maori-Stätten („pou whenua“) auf der Insel.

(Jenny Menzel)

Bild-Credit: Lyttelton Harbour, Jocelyn Kinghorn, CC-BY-SA 2.0 (https://www.flickr.com/photos/joceykinghorn/10938419473)

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