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Unwetter und Überschwemmungen im Fiordland: hunderte Touristen sitzen fest

Fiordland-Jewel Credit: Camilla-Rutherford

Schwere Regenfälle gehören zum Alltag im Fiordland, der südlichsten Region Neuseelands. Die Gegend rund um den Milford Sound bekommt in normalen Jahren bereits 200 Regentage, an denen bis zu sieben Meter Niederschlag fallen. Aber die Unwetter, die am Wochenende des 2./3. Februar 2020 herniedergingen, stellen eine neue Dimension dar.

In nur 60 Stunden wurde im Milford Sound ein ganzer Meter Niederschlag gemessen; davon fielen fast zwei Drittel an einem einzigen Tag. Zum Vergleich: Das ist etwa so viel Regen, wie in Christchurch in einem ganzen Jahr fällt.

Das Resultat: Flüsse und Bäche traten über die Ufer und schlossen Campsites, Wanderhütten und Autos ein. Reißende Ströme spülten große Teile des SH 94 weg – der einzigen Straße, die in den Milford Sound hinein- und wieder hinausführt. Erdrutsche blockieren viele andere Straßen in der Region Southland, zerstörten Wanderwege und Häuser.

Der neuseeländische Wetterdienst MetService warnte vor den starken Regenfällen zum ersten Mal mit der Kategorie Rot – der schwersten Stufe eines neu eingerichteten Warnsystems. Angesichts der Kombination aus schweren Regenfällen und einer Springflut wurde für das Fiordland der Notstand ausgerufen.

Vor dem Eingang zum Homer Tunnel und auf mehreren DOC Campsites an der Milford Road waren zahlreiche Reisende steckengeblieben. Sie konnten schon am Wochenende ausgeflogen werden.

Drei der beliebten Great Walks von Neuseeland liegen in der überfluteten Region. Wandergruppen auf dem Routeburn und dem Milford Track sowie auf dem Hollyford Track wurden eingeschlossen und konnten bisher nur zum Teil per Helikopter evakuiert werden, als der Regen für kurze Zeit nachließ.

Die Howden Hut auf dem Routeburn Track wurde mitten in der Nacht von einem Erdrutsch getroffen und zur Hälfte zerstört – die über 30 Menschen darin kamen zum Glück mit dem Schrecken und leichten Verletzungen davon. Auch sie wurden mit Helikoptern evakuiert. Der Wanderweg selbst ist durch Erdrutsche zu Fuß nicht mehr passierbar. Die Behörden schätzen, dass etwa 100 Menschen zurzeit auf den Wanderwegen im Fiordland unterwegs sind. Momentan ist Hauptreisezeit und die Great Walks sind bis zu einem Jahr im Voraus ausgebucht.

Die 195 Touristen sowie 300 Angestellte und Arbeiter, die am Ende der Milford Road im Milford Sound festsitzen, müssen sich auf eine längere Wartezeit einrichten. Eine Evakuierung vom Meer aus ist derzeit nicht möglich, weil der Sound von Baumstämmen verstopft wird. Die Straße ist an mehreren Stellen stark zerstört und völlig unpassierbar.

Für eine Rettung per Helikopter muss zuerst der Regen nachlassen. Das wird frühestens in ein paar Tagen erwartet. Bisher entwickelt sich die Lage eher gegenteilig: Auch im Rest des Southland steigen die Pegel und Flüsse treten über die Ufer. SH 1 und SH 6, die beiden größten Highways durch die Region, sind überflutet und gesperrt, zahlreiche Menschen mussten von Auto- und Hausdächern gerettet werden. Über 700 Einwohner der Stadt Gore sollen sich auf eine Evakuierung vorbereiten.

Während der Südwesten der Südinsel von schweren Unwettern und Überschwemmungen heimgesucht wird, ächzen der Osten der Südinsel und die Nordinsel unter ungewöhnlicher Hitze und Trockenheit – eine Entwicklung, die von Klimaforschern als Folge des Klimawandels schon vor längerer Zeit als mögliches Szenario prognostiziert wurde.

Der Klimawandel ist in Neuseeland bereits Alltag, und sowohl Einwohner als auch Touristen müssen sich darauf einstellen.

(Jenny Menzel)

Bild-Credit: Camilla Rutherford

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