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Sollte Neuseeland Koalas Asyl geben?

Koala Credit: Pixabay

Pelzige kleine Ohren, flauschiges Fell, ein hilfloser Gesichtsausdruck – Koalas sind zweifellos niedlich. Menschen auf der ganzen Welt haben auf die Bilder von Koalas, die durch die Waldbrände in Australien ihre Heimat, ihr Fell und oft auch ihr Leben verloren, mit überwältigender Anteilnahme und Hilfsbereitschaft reagiert.

Wer würde den Koalas nicht helfen wollen? Vor allem, wenn sie „nur“ 2000 km entfernt sind? Es war nur eine Frage der Zeit, bevor die Koala Relocation Society (KRS) die Neuseeländer dazu aufrief, den armen Koalas Asyl zu geben.

Auf der Plattform Change.org haben bereits mehr als 30.000 Menschen eine Petition unterzeichnet, die Premierministerin Jacinda Ardern auffordert, Koalas die neuseeländische Staatsbürgerschaft und Schutz vor den nicht enden wollenden Waldbränden zu gewähren, die schon geschätzte 8000 von ihnen getötet haben. In Australien gelten die putzigen Beuteltiere inzwischen als „funktionell ausgestorben“, da sie ihr Ökosystem verloren haben.

Ist es aber klug, einer Tierart aus einem völlig anderen Ökosystem in ein anderes umzusiedeln, um sie vor dem Aussterben zu bewahren?

Zunächst einmal fällt auf, dass die Rettungsbemühungen nur dem Koala gelten. Weder der tödlich giftige, aber ebenfalls vom Aussterben bedrohte Taipan noch der Blue Mountains Wasser-Skink oder der Südliche Corroboree-Frosch haben eine Lobby von besorgten Tierschützern gefunden.

Ein noch wichtigeres Argument gilt der Versorgung der Kiwi-Koalas. Laut der KRS wachsen in Neuseeland mehr als 28 000 Hektar Eukalyptus. Dies sind allerdings Plantagen, keine natürlich gewachsenen Wälder. In Australien gibt es mehr als 700 Eukalyptus-Arten, von denen der Koala nur 30 isst. Von den 17 in Neuseeland angepflanzten Eukalyptus-Arten ist nur eine einzige für den Koala verdaulich: Eucalyptus microcorys wird allerdings vor allem von der Holzindustrie verwertet. Die umgesiedelten Koalas würden also bald vor einer neuen Gefahr stehen: den „Harvestern“ der Holzindustrie.

Das Einführen fremder Arten in ein Ökosystem führt fast nie zu den vorhergesagten Erfolgen – das sollten die Neuseeländer eigentlich aus bitterer Erfahrung wissen. Selbst wenn der Koala kein einheimisches Lebewesen verdrängte: Was würde seine Umsiedlung wohl kosten?

Allein der Aufwand für betreuende Tierpfleger und Ärzte würde wohl Millionen von Dollar bedeuten. Bezahlt von den Steuerzahlern? Die würden zu Recht darauf hinweisen, dass Neuseeland nicht einmal seine eigenen bedrohten Tierarten retten kann – warum dann ein australisches Tier?

Spätestens dann würden die Menschen in Neuseeland und Australien eine traurige Tatsache anerkennen müssen: 80 Prozent der Eukalyptuswälder in Australien waren schon vor den Waldbränden durch Rodungen vernichtet worden. Und seit Jahrzehnten sterben jedes Jahr etwa 4000 Koalas in Australien – weil sie von Autos überfahren oder von streunenden Hunden gefressen werden.

Der Koala braucht keine Evakuierung nach Neuseeland, sondern wirksamen Artenschutz in seiner Heimat – und zwar sehr, sehr schnell. Die Neuseeländer könnten die Australier durchaus beraten, wie man eine vom Aussterben bedrohte Tierart retten kann – denn damit haben sie, siehe Kakapo und Kiwi, viel Erfahrung.

(Jenny Menzel)
Bild-Credit: Pixabay

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