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Ältestes erhaltenes Foto eines Māori entdeckt

Credit:  Copyright: National Library of Australia, Canberra
Forscher haben das älteste erhaltene Foto eines neuseeländischen Ureinwohners entdeckt. Die 174 Jahre alte Fotografie befand sich im Archiv der australischen Nationalbibliothek, war dort aber nicht katalogisiert. Es gehört zu den ältesten erhaltenen Fotos der Welt.

Stolz und mit festem Blick schaut der junge Māori in seinem traditionellen Mantel – dem Korowai – in die Kamera. Das Bild, das 1846 in London aufgenommen wurde, gehört zu den ältesten, noch erhaltenen Fotos der Welt. Das älteste Foto stammt aus dem Jahr 1826 und soll von Joseph Nicephore Niépce auf seinem Anwesen in Saint-Loup-de-Varennes in Frankreich aufgenommen worden sein.

In den 20 Jahren, die zwischen den beiden Aufnahmen liegen, hatte die Fotografie große Fortschritte gemacht. Die Aufnahme des jungen Neuseeländers ist ein Beispiel der Daguerreotypie, die meist mit versilberten Kupferplatten arbeitete, und bereits exzellente Bilder lieferte, die auch kleinste Details noch erkennen ließen. Das Bild des jungen Māori Hemi Pomara stammt vermutlich von Antoine Claudet, einem wichtigen Wegbereiter der Fotografie.

Lebendes Exponat
Hemi Pomara – der vermutlich Anfang 1830 geboren wurde – war Anfang der 1840er von britischen Händlern aus seiner Heimat auf den Chatham-Inseln entführt worden, nachdem seine Familie von einem rivalisierenden Māori-Stamm getötet worden war. Man schickte ihn in Australien zur Schule, bevor er nach London transportiert und dort als lebendes Exponat – ein „Eingeborener“ aus den Kolonien – ausgestellt wurde.

Die „Ausstellung“ in der Egyptian Hall wurde vom London Spectator als die „interessanteste“ der Saison gelobt, ein Porträt des jungen Māori wurde für die Illustrated London News graviert. Zudem wurde der junge Mann auf einem Treffen der Royal Society vorgestellt, an dem etliche, bis heute berühmte Persönlichkeiten teilnahmen, darunter Charles Dickens, Charles Darwin und der besagte Antoine Claudet, von dem höchstwahrscheinlich das neu entdeckte Bild Pomaras stammt. Während einer privaten Audienz traf der junge Ureinwohner sogar mit Queen Victoria und Prinz Albert zusammen.

Detailgetreue Fotografie
Bisher hatte man das Äußere Pomaras nur von einem verblassten Aquarell gekannt, doch das Foto, das Forscher der australischen Nationaluniversität nun im Archiv der Nationalbibliothek in Canberra entdeckten, gibt deutlich mehr Details des stattlichen jungen Māori-Mannes preis, der ein markantes Gesicht mit großen dunklen Augen besaß und in dem Foto stolz und selbstbewusst in die Kamera blickt.

„Alle Beweise deuten darauf hin, dass das Bild nicht nur das älteste erhaltene Foto von Hemi ist, sondern höchstwahrscheinlich auch das älteste erhaltene fotografische Porträt eines Māori“, schrieben die beiden Forscher Martyn Jolly und Elisa deCourcy in dem wissenschaftlichen Magazin The Conversation. Zuvor galt ein Porträt von Caroline und Sarah Barrett, das um 1853 aufgenommen wurde, als das älteste Bild eines Māori.

Generationen von Künstlern inspiriert
Nach seiner kurzen Zeit als Londoner „Berühmtheit“ trat der junge Mann die Heimreise per Schiff an. Doch er erlitt auf Barbados Schiffbruch. Auf dem nächsten Schiff, das ihn in die Heimat zurückbringen sollte, wurde er vom Ersten Offizier angegriffen, der dafür aber vor Gericht gestellt wurde, als das Schiff nach London zurückkehrte. Der junge Pomara wurde schließlich in die „Obhut“ von Vizegouverneur Edward John Eyre übergeben, der ihn Anfang Dezember 1846 nach Neuseeland zurückbrachte. Seine weitere Lebensgeschichte ist in den Folgejahren schwieriger nachzuvollziehen. Die Forscher halten es für möglich, dass er als älterer verheirateter Mann mit seiner Frau und seinem Kind nach London zurückkehrte.

Pomaras Lebensgeschichte hat Generationen von Māori-Schriftstellern und Filmemachern inspiriert, darunter auch der Oscar-Preisträger Taika Waititi, der Pomaras Geschichte fürs Kino adaptieren will. „Angesichts der jüngsten dringlichen Debatten darüber, wie wir uns an unsere koloniale Vergangenheit erinnern und versuchen, indigene Geschichten zurückzugewinnen, sind Geschichten wie die von Hemi Pomara von enormer Bedeutung“, schrieben die beiden Forscher der Nationaluniversität in Canberra in ihrem wissenschaftlichen Beitrag.

Barbara Barkhausen

Foto: Copyright: National Library of Australia, Canberra

 

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