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"Höllenloch Neuseeland": Donald Trumps (unabsichtliche) Werbekampagne für Neuseeland

 

Nachdem US-Präsident Donald Trump auf den „massiven“ Ausbruch von Coronafällen in Neuseeland hinwies, bezeichnete ein Internetnutzer das Land als „Hellhole“. Seitdem teilen Neuseeländer Bilder ihres „Höllenlochs“ und haben damit die beste Werbekampagne überhaupt für ihr Land gestartet.

Als Neuseeland nach drei Monaten Corona-freier Zeit wieder vereinzelte Covid-19-Fälle meldete, nannte Donald Trump dies einen „massiven Ausbruch“. „Es ist vorbei für Neuseeland“, tönte der US-Präsident, dem zuvor der Erfolg Neuseelands öfter vor Augen gehalten worden war. Wenig später bezeichnete ein britischer Social-Media-Post das Land als „Hellhole“ oder übersetzt als „Höllenloch“. „Ihr könnt nicht weg“, hieß es in dem Tweet. „Und ihr könnt nicht einfach Leute empfangen. Und ihr habt in großen Teilen des Landes wieder eine Ausgangssperre. Und die Quarantänelager sind öffentlich bekannt. Euer Land ist ein Höllenloch.“

Das wurde den Neuseeländern offenbar ein wenig zu viel. Sie reagierten mit ihrem typischen trockenen Humor und fingen an, unter dem Hashtag NZhellhole die Schönheiten ihres Landes auf Twitter zu teilen und sich damit insgeheim auch über Donald Trump lustig zu machen.

So viel Natur und kein Ausweg

Inzwischen haben tausende Neuseeländer Bilder der berühmten Sehenswürdigkeiten des Landes – von den Südalpen, Hobbiton und dem Milford Sound – geteilt, aber auch den Blick von ihrem Haus aus, ihre Gärten, lokalen Strände oder die einheimische Tierwelt. Viele taten dabei so, als würden sie sich über die frische Luft, die Einsamkeit, die Natur und Ruhe und das viele Vogelgezwitscher stören.

„Von Bergen umgeben. Nirgendwo ein Ausweg. So sperrt uns die Regierung ein“, schrieb Twitter-Nutzer Alex und postete ein herrliches Gebirgspanorama. „Warum würde irgendeiner hier leben wollen“, schrieb der User Aloof neben vier Fotos mit Blick aufs Meer und auf Seen, die fast irreal schön wirken. „Mir sind all diese Cafés am Wasser wirklich zuviel“, beschwerte sich Alexandra Rusholmehi und John Z. jammerte neben einem idyllischen Ausblick auf schneebedeckte Berge: „Die Regierung hat mich eingesperrt. Wenn ich doch nur ein wenig Frieden und Heiterkeit finden könnte.“  Tim Ward erlaubte sich dagegen die zynische Bemerkung, dass Trump und die neuen Konservativen schon recht hätten. Es gäbe in der Tat eine „massive Explosion der Zahlen in diesem Höllenloch“, schrieb der Neuseeländer und postete ein idyllisches Bild mit vielen Vögeln.

Neuseeländer genießen den „eigenen Hinterhof“

Inzwischen haben sich so viele Menschen der Kampagne angeschlossen, dass der Hashtag schon mehrmals eines der Themen war, das ganz oben bei den täglichen Trends bei Twitter auftauchte. Viele markierten in ihren Veröffentlichungen auch den US-Präsidenten, doch dieser ließ bisher nicht erkennen, ob er irgendwelche der Posts gesehen hat.

Ein Kommentator beim Guardian vermutete aufgrund der enormen und anhaltenden Beliebtheit des Hashtags #NZhellhole bereits, „dass es den Kiwis möglicherweise hilft, ihren eigenen Hinterhof zu genießen und zu schätzen“, nachdem die Grenzen des Landes weiterhin geschlossen sind und viele sich auf eine beschränktere Lebensweise im eigenen Heim einstellen müssen.

Beste inoffizielle Marketingkampagne

Neuseelands Premierministerin kommentierte die Bemerkungen des US-Präsidenten übrigens ebenfalls. Jacinda Ardern tat sie vor Medienvertretern als eher belanglos ab: Die Fallzahlen in Neuseeland seien sehr gering und man könne sie nicht mit der Situation in den USA vergleichen, wo täglich Zehntausende Neuinfizierungen gemeldet werden, sagte sie. „Jeder, der sich mit Covid und der weltweiten Verbreitung des Virus auseinandergesetzt hat, kann das leicht erkennen.“ Deswegen mache sie sich keine Sorgen. Tatsächlich sprechen die Zahlen für sich: An dem Tag, an dem Trump die Situation in Neuseeland zum ersten Mal erwähnte, zählte das Land neun Neuinfektionen, während die USA fast 42.000 hatte.

Doch Donald Trump hat dem kleinen Inselstaat im Pazifik mit seiner eigentlich schamlosen Übertreibung eher einen Gefallen getan. „Er hat versehentlich die vielleicht beste inoffizielle Marketingkampagne ausgelöst, die Neuseeland jemals hatte“, hieß es im neuseeländischen Medium „Stuff“.

Barbara Barkhausen

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