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Obst-Ernte in Neuseeland gefährdet durch Corona

Das Thema klingt harmlos, ist es für die neuseeländische Wirtschaft aber nicht: Sogar in der Primetime-Wahldebatte diskutierten die beiden Kandidatinnen für das Premierminister-Amt darüber, ob und wie viele ausländische Arbeitskräfte ins Land gelassen werden müssen, um bei der Obsternte zu helfen.

Die ersten Früchte, die im Frühjahr reif werden, sind die Erdbeeren. Bis Mitte Oktober brauchen die Erdbeerfarmer eine Lösung, oder es drohen zwei Szenarien: die Preise in den Supermärkten verdoppeln sich (mindestens), oder die Erdbeeren verrotten auf den Feldern. Bisher gibt es praktisch niemanden in Neuseeland, der sie in der aktuellen Saison pflücken kann – oder will.

Bisher verließen sich Erdbeerfarmer und andere Obstbauern vor allem auf Arbeitskräfte aus dem Ausland. Die meisten kommen aus Samoa oder Papua-Neuguinea. Aber für diese Menschen, die unter dem “Recognised Seasonal Employer (RSE) Scheme” für saisonale Arbeit nach Neuseeland einreisen und mit dem Einkommen ihre Familien zu Hause versorgen, sehen die Corona-Einreisebeschränkungen keine Ausnahmen vor.

Von den Obstbauern kommt deshalb ein Hilferuf: Wenn die Regierung nicht schnell handele, könnten 250 Tonnen Obst auf den Feldern verrotten.

Es gibt zwar tausende arbeitslose Kiwis, die diese Jobs übernehmen könnten. Außerdem wurden die auslaufenden Working Holiday Visas junger Reisender verlängert, die nun ebenfalls im Obstbau arbeiten können – eine Gruppe von potenziell etwa 11 000 Menschen. Daneben sind 7000 RSE-Arbeitskräfte in Neuseeland gestrandet, die wegen Corona nicht in ihre Heimat ausreisen können – deren Visa wurden verlängert. Aber die Obstbauern sagen, dies wären bei weitem nicht genug. Sie schätzen, dass ihnen 2020/21 mindestens 40 000 Pflücker fehlen.

Das Problem der fehlenden Arbeitskräfte ist nicht neu, es besteht seit Jahren und wird immer drängender. Die Obstbauern tun nach ihren Aussagen viel, um Leute für die harte Arbeit des Obstpflückens zu gewinnen. Sie schalten landesweite Werbeanzeigen auf der Suche nach einheimischen Arbeitskräften und Backpackern, und sie zahlen nach eigenen Angaben weit über Mindestlohn – jedenfalls an erfahrene Pflücker, die im Akkord viele Früchte ernten können.

Für die meisten Neuseeländer und auch für Gelegenheitsarbeiter wie junge Work-and-Traveller ist die Arbeit trotzdem zu anstrengend und zu schlecht bezahlt; denn wer wenig pflückt, erhält nur knapp den Mindestlohn von18,90 NZD. Das reicht nicht, um in Neuseeland eine Familie zu ernähren.

Alle Farmer hoffen auf die “Profis” aus dem Corona-freien Samoa. Ohne weitere Einreiseerleichterungen dürfen diese aber nicht nach Neuseeland kommen. Die größeren Plantagen haben daher eigene große Wohnblöcke für die Arbeiter gebaut, in denen sie sogar die 14 Tage Quarantäne nach der Einreise absichern könnten.

Die Regierung bleibt aber hart: Ein Sprecher von Immigration NZ erklärte Mitte September, die strengen Einreisebeschränkungen seien das Rückgrat der Corona-Bekämpfungsstrategie und stellten sicher, dass weiterhin vorrangig Neuseeländer zurückkehren könnten.

Die Obstbauern sind verzweifelt: Findet sich bis Ende September keine Lösung, wird es keine Erdbeeren geben. Noch schlimmer: Ohne ausreichend Pflücker werden auch 1000 Neuseeländer ihre Jobs als Obst-Verpacker verlieren, die von den gepflückten Früchten abhängen. Zu Weihnachten wird es dann in Neuseeland nur Erdbeeren aus Australien geben.

(Jenny Menzel) Photo Credit: Pixabay

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